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Aus: Ausgabe vom 08.05.2019, Seite 5 / Inland
Wohnen

Profitable Mangelverwaltung

Immobilienkonzern Vonovia steigert Quartalsgewinn. Mieterbund kritisiert Geschäftsmodell
Von Simon Zeise
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Werbeschild in Dortmund weist vor eingerüstetem Wohnblock auf Wohnungsangebot von Vonovia hin (6.5.2019)

Steigende Mieten und Zukäufe im Ausland haben Deutschlands größtem Immobilienkonzern Vonovia im ersten Quartal deutlich mehr Gewinn beschert. Zudem profitierte Vonovia von geringeren Kosten bei der Bewirtschaftung der Wohnungen. Der Dax-Konzern wies Forderungen nach einer Enteignung von Wohnungsunternehmen zurück. »Enteignung schafft keinen neuen Wohnraum, der Bau neuer Wohnungen schon«, behauptete das Unternehmen am Dienstag in Bochum. »In den Großstädten ist der Mangel an Wohnungen in den letzten Jahren immer spürbarer geworden.« Vonovia nehme seine Verantwortung wahr. »Unsere wirtschaftlich gute Entwicklung ermöglicht es uns, in großem Umfang in Neubau und Klimaschutz, eine bessere Wohnqualität und altersgerechtes Wohnen sowie in gute Nachbarschaften zu investieren«, erklärte der Vorsitzende des Vorstands, Rolf Buch.

Der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds, Ulrich Ropertz, sagte am Dienstag zu jW: »Wir begrüßen die Vorhaben sehr und werden Vonovia an seinen Taten messen.« Es werde auch Zeit, denn bislang sei das Unternehmen durch hohe Betriebskostenabrechnungen, Mietpreissteigerungen nach Modernisierungen und lange Wartezeiten bei der Bearbeitung von Mieterbeschwerden aufgefallen.

Buch gab an, Vonovia werde sich an einer Lösung beteiligen, könne an der angespannten Situation für Wohnungssuchende aber alleine nichts ändern. »Ich habe großes Verständnis für die Sorge, sich einen Umzug in das bevorzugte Quartier nicht mehr leisten zu können, und auch für die Emotionen, die derzeit spürbar sind«, sagte er. »Wir brauchen einen konstruktiven gesellschaftlichen Dialog und gemeinsame Kraftanstrengung.« Buch betonte, bundesweit seien »außerordentliche Investitionen« von schätzungsweise bis zu 800 Milliarden Euro bis 2030 nötig.

Im Kampf gegen steigende Mieten und Wohnungsnot waren zuletzt vor allem im Großstädten Forderungen nach einer Enteignung von Immobilienkonzernen wie Vonovia oder Deutsche Wohnen laut geworden. In Berlin werden Unterschriften für ein Volksbegehren gesammelt.

In den ersten drei Monaten 2019 erhöhte sich das operative Ergebnis von Vonovia im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 303,6 Millionen Euro. Die Mieteinnahmen stiegen im ersten Quartal um ein Fünftel auf 505 Millionen Euro. Die durchschnittliche Miete erhöhte sich auf 6,56 Euro pro Quadratmeter – das waren sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Frieder Hofmann, Leipzig: Hände weg Den Beitrag von Simon Zeise zur Geschäftspraxis der »Vonovia« kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, da wir 2017 für ein knappes Jahr Mieter der »Vonovia« wurden, die in diesem Zeitraum mehrere Wo...