Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 25.05.2019, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Devisentourismus

Kuba kann Luxus

Wolkenkratzer, Hotelanlagen und Golfcamps: Havanna öffnet sich weiter dem Tourismus, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen
Von Carmela Negrete
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Preise höher als der Mindestlohn: T-Shirts für 30 US-Dollar in einer Boutique im Zentrum von Havanna

Der Tourismus bleibt für Kuba eine der wichtigsten Einnahmequellen, weshalb dessen Infrastruktur höchste Priorität im Land genießt. Die revolutionäre Armee baut fleißig die Wolkenkratzer in Havanna und anderswo in der kleinen sozialistischen Inselrepublik mit. Sie entstehen neben ärmlichen Bauten in der Hauptstadt, sind und bleiben aber in Staatsbesitz. Konzerne aus dem Ausland dürfen Verträge mit dem kubanischen Staat abschließen, um Hotels und andere Anlagen zu betreiben. Dort findet man teure importierte Lebensmittel, wie etwa Serrano-Schinken und Oliven, die sich die meisten Kubaner nicht leisten können. So sichert sich der Staat ausländische Devisen, um die Einfuhr wichtiger Grundnahrungsmittel und anderer Produkte gewährleisten zu können.

Auch wenn eine Nacht in einem der Hotels wie dem neuen »Iberostar Grand Packard« fast dreimal so viel kostet, wie ein Arzt in der nationalen Währung verdient, sieht man ab und an Kubaner, die an Orten die Atmosphäre genießen, die eigentlich nur für die Touristen vorgesehen sind. Die neue Verfassung, vom Volk entworfen und seit April im Kraft, sieht verstärkte Garantien für ausländische Investitionen im Land vor. Auch die privatwirtschaftliche Initiative, etwa von Selbständigen, Gastwirten und anderen Anbietern von Dienstleistungen, soll erleichtert werden. Wie das in der Praxis aussehen wird, bleibt abzuwarten, vor allem nachdem die Administration von US-Präsident Donald Trump Anfang Mai die wirtschaftliche Blockade ausgeweitet hat.

Vier Themenparks, elf Golfcamps und Dutzende Hotels sollen in den nächsten Jahren auf der Insel entstehen. Insbesondere spanische Unternehmen wie die Hotelkette Meliá wollen den Wandel vorantreiben, wie Madrids Tourismusministerin Reyes Maroto im Mai in Havanna erklärte. Ihr kubanischer Amtskollege Manuel Marrero Cruz begrüßte seinerseits die Initiative der spanischen Investoren: »Kuba wird niemals diejenigen im Stich lassen, die eine Hand in schwierigen Momenten ausgestreckt haben«.

2019 jährt sich nicht nur die kubanische Revolution zum 60. Mal, Havanna feiert auch das 500. Jubiläum als Stadt. Zu diesem Anlass wurden zahlreiche Gebäude in der Hauptstadt saniert. Oft kann man nicht erahnen, was sich hinter der Fassade verbirgt, denn alte Paläste wurden auch zu Wohnhäusern und Altenheimen umgebaut.

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    Luxus ohne ausufernde Gentrifizierung: Blick vom Dach des »Ibero Grand Packard« auf normale Wohnhäuser mitten im Zentrum von Havanna
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    Ausländische Konzerne wie die »Iberostar Group«, die Ende 2018 das Fünf-Sterne-Hotel »Grand Packard« eröffnet hat, müssen hohe Steuern zahlen, um den kubanischen Sozialstaat zu finanzieren
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    Bauboom im Tourismussektor: Bis 2020 sollen 29 neue Hotels fertiggestellt werden, die Eigentum des kubanischen Staates bleiben
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    Für viele Luxusreisende ein Muss: Partys, die auf dem Katamaran beginnen und auf der kleinen Insel Cayo Blanco enden
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    Viel Natur und ein Restaurant: Am Strand der Insel Cayo Blanco

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Harald Möller: Wunsch und Realität In Kuba zeigt sich überdeutlich, wie Wunsch und Realität auseinanderklaffen. In Diskussionsbeiträge gleich welcher Art kann man die Revolution fordern und beschwören. Wenn man allerdings Verantwortung...

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