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Aus: Ausgabe vom 25.04.2019, Seite 15 / Medien
Lügen über den US-Staatsfeind

Assange Opfer einer Kampagne

Ecuadorianischer Exdiplomat: Wikilieaksgründer kein exzentrischer Botschaftsgast
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Proteste gegen die Verhaftung von Julian Assange vor der britischen Botschaft in Dhaka, Bangladesch (23.4.2019)

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich nach Angaben eines ehemaligen Diplomaten während seines Exils in der ecuadorianischen Botschaft in London nicht ungebührlich benommen – wie kampagnenmäßig behauptet und von Medien vielfach kolportiert wurde. Es stimme einfach nicht, dass der verfolgte Whistleblower nicht reinlich gewesen sei, sich nicht um seine Katze gekümmert oder gar Exkremente an die Wände geschmiert habe, sagte der frühere Konsul der Landesvertretung, Fidel Narvaez, am Sonnabend dem britischen Nachrichtensender Sky News.

Assanges Verhältnis zu allen Angestellten der Botschaft sei respektvoll gewesen, sagte der Diplomat weiter. Der gebürtige Australier habe auch nicht in Schmutz gelebt. Narvaez: »Hat er das Geschirr in den Geschirrspüler gestellt? Wahrscheinlich nicht an den Wochenenden. Ist das ein Verbrechen?«

Zuletzt sei der Aufenthalt in der Botschaft aber »die Hölle« für As­sange gewesen, der Besuche nicht mehr empfangen durfte und dem der Internetzugang gesperrt wurde. »Die Strategie war klar: ihn zu brechen.« Narvaez hatte zwischen 2010 und 2018 in der Londoner Vertretung seines Landes gearbeitet. Assange war 2012 in die Botschaft geflohen – damals während der Regierungszeit des linken Präsidenten Raffael Correa. Mit dem Amtsantritt von dessen Nachfolger Lenín Moreno 2017 änderte sich das Verhältnis Ecuador-Assange dramatisch.

Am 11. April entzog ihm Moreno den Schutzstatus und damit das Aufenthaltsrecht in der diplomatischen Vertretung, woraufhin er von der britischen Polizei festgenommen wurde. Ein Gericht in London hatte ihn zunächst schuldig gesprochen, gegen Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Ihm drohen dafür bis zu zwölf Monate Haft. Mit den umfangreichen Vorwürfen der US-Justiz soll das Gericht sich am 2. Mai befassen. In den USA gilt der Wikileaks-Enthüller als Staatsfeind. Im Falle einer Auslieferung erwarten ihn dort möglicherweise jahrzehntelange Haft und Folter.

Die Mär von Assanges angeblich sonderbarem Verhalten hatte insbesondere die spanische Zeitung El País unter Berufung auf frühere »Beschützer« des Wikileaks-Gründers berichtet. Bereits die Vergewaltigungsvorwürfe, auf deren Grundlage Assange in Schweden – und international – verhaftet werden sollte, waren in diesem Licht betrachtet dubios. Denn die US-Regierung und -Geheimdienste wollen den Enthüllungsjournalisten unbedingt in ihre Gewalt bekommen. Sie werfen ihm Verschwörung vor, deren Ziel es gewesen sei, das Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. (dpa/jW)

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