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Aus: Ausgabe vom 25.04.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Eine Frage der Methodik?

VW untermauert Strategiewechsel

Studie im Auftrag des Konzerns sieht Elektroautos bei Klimabilanz vor Diesel
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Noch vielerorts Zukunftsmusik: Schnelladestation für Elektroautos an der Autobahnraststätte Brohltal

Die Volkswagen AG hat die Klimabilanz von Elektroautos verteidigt. Bei gleichen Fahrzeugmodellen mit unterschiedlichem Antrieb sei die Klimabilanz der batteriebetriebenen E-Autos schon heute besser als die der Verbrennervariante, teilte der Automobilkonzern am Mittwoch unter Berufung auf eine zertifizierte Umweltbilanz mit.

Über den mit 200.000 Kilometern angegebenen Lebenszyklus (einschließlich Produktion und Verwertung) komme der aktuelle Golf mit Dieselmotor auf einen Kohlendioxidausstoß von durchschnittlich 140 Gramm je Kilometer. Beim E-Golf seien es 119 Gramm CO2 je Kilometer, ausgehend vom EU-Strommix, also den derzeit in der EU genutzten Energiequellen für die Elektrizitätsversorgung. Beim deutschen Strommix komme man auf 142 Gramm, einen mit dem Diesel vergleichbaren Wert.

Im EU-Strommix entfielen beim E-Auto 57 Gramm auf die Produktion und 62 Gramm auf den Fahrstrom. Der Diesel dagegen komme in der Produktion nur auf 29 Gramm CO2 je Kilometer, bei der Nutzung auf 111 Gramm. Vor allem die Batterieproduktion und die aufwendige Gewinnung der Rohstoffe treibe beim Stromer den Kohlendioxidausstoß in der Produktionsphase nach oben.

Basis der Berechnung ist laut VW der neue WLTP-Abgasprüf- und Verbrauchsstandard. Werde der gesamte Strom zum Fahren aus regenerativen Quellen gewonnen, könnten die dabei erzeugten CO2-Emissionen auf zwei Gramm sinken.

Letzteres ist ein eher propagandistischer Ansatz. Bekanntlich funktioniert die Bereitstellung von Netzstrom rund um die Uhr ausschließlich aus Windkraft und Sonneneinstrahlung ohne entsprechende große Speichermöglichkeiten derzeit nicht. Zudem kommen entsprechende Studien zu stark unterschiedlichen Ergebnissen.

Nach einer kürzlich bekanntgewordenen Erhebung des Kölner Physikprofessors Christoph Buchal und des früheren Präsidenten des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), Hans-Werner Sinn, belastet ein E-Auto das Klima um elf bis 28 Prozent mehr als ein Diesel – sofern der CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Batterien und der deutsche Strommix in der Rechnung berücksichtigt würden.

Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt haben den Berechnungen widersprochen. Sie verwiesen auf eine aktuelle, umfassende Studie des Heidelberger Ifeu-Instituts für die Agora-Energiewende-Initiative, die zu einem positiven Ergebnis fürs E-Auto kommt. Danach ist die CO2-Bilanz eines Batterieautos in Deutschland bei einem Strommix wie im Jahr 2016 drei Prozent besser als die eines Dieselautos und zwölf Prozent günstiger als die eines Benziners.

VW-Vorstandschef Herbert Diess hatte Mitte März angekündigt, in den kommenden zehn Jahren sollten auf der eigenen Produktionsplattform 22 Millionen Elektroautos gebaut werden, das sind sieben Millionen mehr als bislang geplant. Bis 2028 stehen knapp 70 neue Elektromodelle auf dem Plan. Die gesamte Produktion im Konzern solle bis 2050 CO2-neutral werden. (dpa/jW)

Debatte

  • Beitrag von josef w. aus H. (25. April 2019 um 04:27 Uhr)
    Xinhuanet Deutsch liefert zu diesem Plan von VW folgende Informationen:

    »Volkswagen plane, bis 2028 11,6 Millionen Elektroautos in China zu produzieren, so eine Erklärung der Volkswagen Group China vom Montag.

    Volkswagen wird zur Erreichung des Ziels mit Joint Ventures wie FAW-Volkswagen und SAIC-Volkswagen zusammenarbeiten.

    Volkswagen plant, bis 2028 weltweit 22 Millionen Elektroautos zu bauen.

    Das Unternehmen strebt auch den Aufbau eines breiten Netzes von Ladegeräten in China an.

    FAW-Volkswagen und SAIC-Volkswagen haben 2018 4,21 Millionen Automobile ausgeliefert.«

    Hierzulande in China gehören E-Autos mittlerweile zum Straßenbild, und dieser Trend ist unumkehrbar, da mögen Schlaumeier rechnen, was sie wollen. Die Erdölvorräte der Erde reichen einfach nicht aus, um den weltweiten Energiebedarf zu decken. Krieg um Öl ist deshalb nur eine konsequente Folge – jede Alternative schon deswegen im Interesse der Menschheit.

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