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Aus: Ausgabe vom 13.04.2019, Seite 2 / Ausland
Jagd auf Whistleblower

Assange droht Auslieferung

Unterstützer fordern Schutz für Wikileaks-Mitbegründer vor US-Justiz
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Demonstranten protestieren in Australien gegen die Verhaftung des Wikileaks-Gründers (Sydney, 12.4.2019)

Nach der Festnahme des Internetaktivisten Julian Assange am Donnerstag in London (siehe jW vom 12.4.) protestieren Unterstützer weltweit gegen eine mögliche Überstellung des Wiki­leaks-Mitbegründers an die US-Justiz. Der britische Oppositionschef Jeremy Corbyn hatte die Regierung aufgefordert, die Auslieferung des 47jährigen zu verhindern.

Die Vereinigten Staaten werfen Assange vor, sich mit der US-Whistleblowerin Chelsea Manning zur Veröffentlichung geheimer Dokumente verschworen zu haben, und fordern seine Überstellung durch die britischen Justizbehörden. Ein Gericht in London hatte Assange noch am Donnerstag nachmittag für schuldig befunden, gegen Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Ihm drohen somit bis zu zwölf Monate Haft. Mit den Vorwürfen der US-Behörden soll sich das Gericht am 2. Mai befassen. In den USA drohen dem Aktivisten mindestens fünf Jahre Haft.

Assanges ecuadorianische Staatsbürgerschaft, die ihm im Dezember 2017 verliehen worden war, wurde ihm entzogen. Dies teilte die Regierung in Quito erst nach seiner Verhaftung am Donnerstag mit. Zur Begründung nannte der Außenminister des südamerikanischen Landes, Minister José Valencia, »unzählige Irregularitäten in der Gewährung dieser Staatsbürgerschaft«. Damit verlor der Wikileaks-Mitbegründer den Schutz vor Auslieferung, den ihm die Verfassung Ecuadors bis dahin gewährt hatte.

In Ecuador nahmen Sicherheitskräfte eine Person aus dem Umfeld von Wikileaks fest. Sie sei gefasst worden, als sie gerade nach Japan ausreisen wollte, sagte die ecuadorianische Innenministerin María Paula Romo am Donnerstag. Es gebe Beweise für eine Beziehung zu Ricardo Patiño, der Außenminister war, als Assange das Botschaftsasyl gewährt worden war.

Der gebürtige Australier hatte sich seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London dem Zugriff der britischen Polizei entzogen, weil er befürchtete, in die USA ausgeliefert zu werden. Am Donnerstag hob Ecuadors Regierung das politische Asyl von Assange auf; daraufhin hatte Scotland Yard ihn in der Botschaft festgenommen. (dpa/Xinhua/jW)