Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Mittwoch, 22. Mai 2019, Nr. 117
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 10.04.2019, Seite 16 / Sport

Narrisch im Hexenkessel

Von André Dahlmeyer

Einen wunderschönen guten Morgen! Am Sonntag ging in Argentinien die 12. Futsal-Weltmeisterschaft der Asociación Mundial de Futsal (AMF) zu Ende (die es seit 2008 übrigens auch für Frauen gibt). Ausgetragen wurde das Campeonat im NEA, der nordöstlichen Region der Silberländer, in der Provinz Misiones, einer der mit Abstand ärmsten Gegenden des Landes. Das dortige Mesopotamien Argentiniens wird eingerahmt von den Flüssen Río Paraná (Grenze zu Paraguay) und Río Uruguay (Grenze zu Brasilien).

Die Logistik vor Ort lag in den Händen des Sportministeriums der Provinz und ließ nichts zu wünschen übrig. Alle Spiele waren ausverkauft, alles klappte. Anders sah es mit der sportlichen Organisation aus, für die die Confederación Argentina de Futsal und die AMF zuständig waren. Nun, alles was aus Buenos Aires kommt, der Stadt der »guten Lüfte«, sollten Sie nicht so ernst nehmen, wir tun es auch nicht. Aus 16 Teams, die in vier Vierergruppen die Viertelfinalisten ermitteln sollten, wurden 15. Pakistan und Kanada hatten ihre Teilnahme aus unterschiedlichen Gründen 48 Stunden vor dem Turnierauftakt zurückgezogen. Für die Holzfäller wurden ausgerechnet die USA »eingeladen«, denen dann unverschämterweise sogar ein Sieg (gegen Nepal) gelang.

Eröffnet wurde die WM in Montecarlo mit dem Match der Gastgeber gegen den einzigen Ozeanienvertreter, Australien. Argentinien gewann zweistellig und wurde nach drei Siegen mit einem Torverhältnis von 29:5 Gruppenerster. Auch Katalonien und Titelverteidiger Kolumbien gewannen alle ihre Gruppenspiele. Paraguay, der Vizeweltmeister von Belarus 2015, und Brasilien verloren zumindest nicht.

Im Viertelfinale eliminierte Argentinien (dritter Platz in Belarus) die Franzosen mit 8:0. Die Titelverteidiger aus Kolumbien blieben mit 2:3 gegen Brasilien auf der Strecke. Katalonien wurde von Südafrika mit 3:7 verdroschen. Paraguay qualifizierte sich nach dem 3:2 gegen Marokko, das als »europäischer Vertreter« teilnahm, erneut für die Semifinals. Die restlichen Spiele fanden alle in Montecarlo statt. Der Name spricht: Der Monte von Carlo, der hügelige Wald von Karl. 120 km südlich der weltberühmten Iguazú-Wasserfälle leben dort vor allem Nachfahren deutscher Einwanderer.

Ein paar Stunden vor dem Semifinale gegen Brasilien weigerte sich Südafrika anzutreten, warum weiß niemand. Die katalonischen Kicker machten sich bereits ersatzweise warm. Schließlich spielten die Südafrikaner doch und gingen mit 2:6 unter. Da Paraguay gegen Argentinien (0:4) keine Chance hatte, kam es zum erhofften Traumfinale. 6.500 Zuschauer und weitere 2.000, die nicht mehr reinpassten. Ein Hexenkessel.

Argentinien ging in Führung, Brasilien glich noch vor der Pause aus. In der letzten Spielminute dann brach sich im Polideportivo kaltes Entsetzen Bahn. Fernando Haman hatte zum 2:1 für die Brasucas eingelocht. Aber der Film war noch nicht zu Ende. Zwölf Sekunden vor Schluss Handpenal für Argentinien! Diego Koltes lief an, und … Marcelo López wehrte das Geschoss ins Seitenaus ab. Alles verloren. Nein! Einwurf, und Chelo Mescolatti zerfetzte aus dem Strafraum heraus die Reusen von López’ Gehäuse – Verlängerung! Und in der gelang Gonzalo Pires, der die WM aufgrund einer Verletzung beinahe versäumt hätte, bereits im ersten Abschnitt das Tor seines Lebens. 3:2! Argentinien zum zweiten Mal nach 1994 Futsal-Weltmeister der AMF. I werd’ narrisch! Im Spiel um Platz drei siegte Paraguay gegen Südafrika mit 11:1.

Mehr aus: Sport