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Aus: Ausgabe vom 04.04.2019, Seite 15 / Medien
Bei Funke brennt es

Zustellkosten fressen Gewinn

Funke-Mediengruppe angeblich vor schärferen Kürzungen als bereits geplant
Von Klaus Fischer
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Tiefgreifende Veränderungen angekündigt: Funke-Konzernzentrale in Essen

Bei der Mediengruppe Funke sollen »offenbar weit mehr Stellen« vernichtet werden als angenommen. Das berichtete die in Berlin erscheinende Tageszeitung (Taz) am Dienstag. Seit der Großverlag (in dem unter anderen die Westdeutsche Allgemeine, WAZ, erscheint) Anfang Februar weitreichende Umstrukturierungspläne öffentlich machte – Manager Ove Saffe nannte das neue Digitalisierungskonzept eine »Kulturrevolution –, sind Teile der Belegschaft in Alarmstimmung. Jetzt sollen die vor zwei Monaten verkündeten Schreckensnachrichten offenbar noch verschlimmert werden.

Dem aktuellen Taz-Bericht zufolge sollen mehr als 300 Beschäftigte allein in Nordrhein-Westfalen entlassen werden. Auch in der Berliner Zentralredaktion werde gekürzt, 27 Stellen fallen dem Rotstift zum Opfer. Selbst die Verankerung in den Regionen wird wohl aufgegeben, die dortigen Geschäftsstellen von WAZ und Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ) verschwinden.

Mehr noch: In Thüringen, wo Funke mit seiner Tochter »Mediengruppe Thüringen« (MGT) eine Art Monopolstellung bei regionalen Tageszeitungen besitzt, wollten Verlagseigentümer und Manager angeblich sogar komplett auf gedruckte Zeitungen verzichten, wie der MDR im Februar auf seinem Onlineportal berichtete. Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung wären damit nur noch mit Internetanschluss zu lesen. Indizien dafür, hieß es auf der Internetseite der Verbandszeitschrift des DJV, Journalist, am Sonntag, habe der MDR bereits seit Dezember 2018 recherchiert. Unter anderem soll es danach im Dezember eine Mitarbeiterversammlung gegeben haben, in der der Geschäftsführer erstmals ein »Untergangsszenario« an die Wand gemalt hatte. Tenor: Wenn es so weitergehe, gebe es in zwei Jahren nicht nur keine gedruckte Zeitung mehr, sondern womöglich auch keine MGT. Die Zustellung der Zeitungen sei schlicht zu teuer.

Allerdings ist Thüringen auch nicht gerade Weltklasse bei der Internetinfrastruktur. Nach den MDR-Veröffentlichungen hatte sich die Landesregierung eingeschaltet und Auskunft über die Pläne verlangt. Daraufhin, so Journalist, ruderte man in der Essener Konzernzentrale von Funke erst einmal zurück. An den wirtschaftlichen Hintergründen der geplanten Kürzungen änderte das jedoch nichts. Heute laute die Botschaft der MGT-Geschäftsführung: Womöglich würden »Print- und Digitalausgaben eine bestimmte Zeit lang noch nebeneinander angeboten«. Aber: »nicht für mehrere Jahre«, hieß es im Magazin weiter. Gegenüber Zeit.de (11. März) sagte MGT-Geschäftsfüher Michael Tallai, dass die »Mehrkosten für die Zustellung« seit der Einführung des Mindestlohnes inzwischen den »kompletten Gewinn« der Funke-Tochter auffressen würden. Dies scheint – neben dem weiterhin anhaltenden Auflagenrückgang – ein allgemeiner Trend bei zahlreichen Printmedien zu sein.

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