Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Unter Beobachtung

Von Rafik Will
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Wird immer härter: Kampf um Almosen

Der Verfassungsschutz schützt die Verfassung. Klingt logisch, stimmt aber nicht unbedingt, wie dessen exzessive Aktenschredderei und diverse Skandale um V-Leute gezeigt haben, die bei der Aufarbeitung des NSU-Terrors Schlagzeilen machten. Der Verfassungsschutz beobachtet dafür aber zum Beispiel obsessiv vermeintliche »Linksextremisten«. Über Jahrzehnte hinweg tat er das zum Beispiel mit der Tochter des Antifaschisten Peter Gingold. Ihrem gerichtlichen Vorgehen dagegen ist Christine Werners  »Unter Beobachtung – Silvia Gingold und ihr Kampf gegen den Verfassungsschutz« (DLF 2019; Di., 19.15 Uhr, DLF) gewidmet.

Dem Sound der wild ausgelebten deutschen Kleinbürgerphantasien lauschen Martin Becker und Tabea Soergel in ihrem Feature »Das ganz, ganz große Glück – Ein Reihenhausblues im Schlagertakt« (NDR 2019; Di., 20 Uhr, NDR Kultur) nach. Und mit bearbeiteten O-Tönen aus Nachrichtensendungen als Material stellt dann Marc Matter neue Klanggebäude auf: »Nachricht – Entstellt« (SWR/SWR Experimentalstudio 2016; Di., 23 Uhr, SWR 2).

Wie man das Medium Radio für Gehörlose barrierefreier machen könnte, ist eine Frage, die sich mit Smartphones lösen lässt. Laufende Untertitel zum Beispiel sind eine Möglichkeit. Holger Hiller und Wolfgang Müller setzen für »Unerhört« (BR 1994; Do., 19 Uhr, WDR 3) ganz auf das Akustische und bringen unter anderem Interviews mit Gehörlosen. Die widmen sich etwa dem wummernd kribbelnden Bassgefühl.

Lautstärke bis zum Anschlag aufdrehen, empfiehlt sich für Agnieszka Lessmanns Hörspiel »Cobains Asche« (SWR 2004; Do., 23 Uhr, WDR 1Live und So., 21 Uhr, NDR Info). Hier verkörpert Sophie Rois die frisch verwitwete Courtney Love. Dem Bauhaus gewidmet ist die Kurzhörstücksammlung von Mariola Brillowska, Rafael Jové, Nadja Schöning, Liping Ting und Hans Tutschku: »Tonspur Bauhaus – Fünf Hörstücke« (Klassik-Stiftung Weimar/Bauhaus-Museum Weimar/DLF Kultur 2019; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur)

Über die Zeit des US-Exils des Komponisten der »Dreigroschenoper« hat Nicole Baumann das Feature  »Wouldn’t you like to be on Broadway? Der amerikanische Kurt Weill« (BR 2019; Fr., 19 Uhr und Sa., 14 Uhr, BR-Klassik). Baumann blickt auf diese enorm produktive Phase Kurt Weills und stellt einige seiner Musicals vor. Der Konkret-Autor Fritz Tietz testet dann mit »Es darf ein bisschen mehr sein! Coaching für U-Bahn-Bettler« (DLF 2017; Fr., 20.10 Uhr, DLF) im Feldversuch aus, was der Hörspielautor Stefan Weigl bereits 2011 in überspitzter Form mit »Bewirtschaftung von Randgruppen« (WDR) als Szenario entworfen hatte: Die Welt wird nicht mehr besser, also werden Bettler kurzerhand für den Kampf um die Almosen geschult.

Andreas Ammer sowie Micha Acher und Markus Acher (The Notwist) blicken auf die Zeit der bayerischen Revolution nach dem Ersten Weltkrieg: »This is Ben Hecht … reporting live from the Revolution« (BR 2019; Ursendung Fr., 21 Uhr, Bayern 2). Mark Kowarschs sorgfältig kuratierte Musiksendung »Antikörper« (Fr., 23 Uhr, Byte FM) bildet den nicht zu verpassenden Abschluss des ersten Freitagabend im Monat.

Was es mit dem Begriff »exotisch« auf sich hat, beleuchtet Antje Allroggen im Rahmen von »Fremdes Leben in fernen Ländern – Eine Lange Nacht exotischer Genüsse« (DLF/DLF Kultur 2019; Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und 23 Uhr, DLF). Mit Brigitte Schwaigers »Wie kommt das Salz ins Meer« (ORF 2012; Sa., 14 Uhr, ORF Ö1) ist das ORF »Hörspiel des Jahres« 2012 zu hören. Und zum Abschluss, am Sonntag, gibt es Olaf Karniks und Volker Zanders »Infrasound und Ultraschall – Erfahrungen jenseits des Hörbaren« (DLF 2019; So., 20 Uhr, DLF).

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