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Aus: Ausgabe vom 01.04.2019, Seite 1 / Titel
Nahost

Demonstranten getötet

Israel reagiert mit Gewalt auf Proteste am »Sicherheitszaun« zu Gaza anlässlich des »Tags des Bodens«. Panzer attackieren Küstenstreifen
Von Wiebke Diehl
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Die Leiche des am Sonnabend getöteten 17jährigen Tamir Abu Al-Khair wird durch die Straßen von Gaza-Stadt getragen

Vier Tote im Alter von 17 bis 20 Jahren und 316 Verletzte – das ist die vorläufige Bilanz des israelischen Vorgehens gegen Demonstranten im Gazastreifen am 43. »Tag des Bodens« und dem ersten Jahrestag der wöchentlichen Proteste am von Israel kontrollierten »Sicherheitszaun«. Zwar waren die meisten der Zehntausenden Teilnehmer des vom »Nationalkomitee des Marsches der Rückkehr« ausgerufenen »Eine-Million-Marsch« der Aufforderung der israelischen Behörde COGAT, mindestens 300 Meter Abstand vom Zaun zu halten, nachgekommen. Dennoch setzte die Armee Tränengas ein und schoss scharf auf Unbewaffnete. In der Nacht zu Sonntag beschossen israelische Panzer zudem Gaza, nachdem von dort Raketen abgefeuert worden waren. Ob bei den Vermittlungsbemühungen Ägyptens um einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas Fortschritte erzielt wurden, blieb derweil unklar.

Auch in der Westbank, Jerusalem, Syrien, dem Libanon und zahlreichen europäischen Städten kam es am Sonnabend zu Protesten, bei denen unter anderem die in der vergangenen Woche per Dekret erfolgte US-amerikanische Anerkennung der israelischen Souveränität über die besetzten syrischen Golanhöhen thematisiert wurde. Jedes Jahr am 30. März begehen die Palästinenser den »Tag des Bodens«, an dem der Landenteignungen durch Israel und sechs 1976 bei Protesten gegen die Beschlagnahmung bei Sachnin getöteter Palästinenser gedacht wird. Wie jedes Jahr wurden auch am Sonnabend die Rückkehr der Vertriebenen in ihre angestammten Dörfer gemäß der UN-Resolution 194 sowie die Aufhebung der seit 2007 bestehenden Abriegelung des Gazastreifens durch Israel und Ägypten gefordert. Etwa 70 Prozent seiner zwei Millionen Bewohner sind auf Unterstützung durch das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) angewiesen. Die Arbeitslosenquote liegt nach Angaben der UNO bei 50 Prozent, bei Jugendlichen sogar bei 70.

Die genau vor einem Jahr begonnenen Massenproteste ausgelöst hatte die zum Jahreswechsel 2017/18 von US-Präsident Donald Trump angekündigte Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. Als am 14. Mai 2018, dem 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels und der damit verbundenen Vertreibung von 800.00 Palästinensern, in Jerusalem Benjamin Netanjahu und Präsidententochter Ivanka Trump ihren Völkerrechtsbruch feierten, wurden in Gaza über 70 größtenteils unbewaffnete Menschen von israelischen Soldaten getötet.

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Demonstration am Sonnabend hinter dem israelischen »Sicherheitszaun« zum Gazastreifen

Insgesamt starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums während der seit einem Jahr stattfindenden Demonstrationen am »Sicherheitszaun« zu Gaza im letzten Jahr über 270 Palästinenser, mindestens 17 davon allein am 30. März 2018, über 27.000 wurden verletzt. Ein israelischer Soldat wurde ebenfalls erschossen. Ein vom UN-Menschenrechtsrat in Auftrag gegebener und im Februar 2019 vorgelegter Bericht stellt schwere Menschenrechtsverletzungen seitens der israelischen Armee fest, deren mögliche Einstufung als Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit geprüft werden müsse. Die große Mehrzahl der Getöteten sei nachweislich unbewaffnet und friedlich gewesen, so das Fazit der Experten. Kinder und Menschen mit Behinderungen seien absichtlich zur Zielscheibe geworden und an einer Ausreise zwecks medizinischer Behandlung gehindert worden. Auch Journalisten und Sanitäter fielen den Schüssen israelischer Soldaten zum Opfer.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es fälschlicherweise »mindestens 258 davon allein am 30. März 2018«; wir bitten um Entschuldigung.

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