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Aus: Ausgabe vom 30.03.2019, Seite 5 / Inland
Industrie

General Electrics langsamer Tod

Erneuter Stellenabbau in Mannheimer Werk. Sanktionen wegen Schmiergeldaffäre
Von Georges Hallermayer
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Sitz des »globalen Operationszentrums« von General Electric in Cincinnati (USA)

Im Werk von General Electric (GE) in Mannheim geht es bergab. 2015 hatte der Turbinenhersteller mit dem französischen Konkurrenten Alstom fusioniert. Rund zwei Jahre später kündigte GE an, nur 700 der 1.700 Beschäftigten übernehmen zu wollen. Wie geht es den einst Beschäftigten? Immerhin titelte der Mannheimer Morgen am Dienstag: »192 ehemalige GE-Mitarbeiter haben neuen Job.« Mit 350 Kollegen habe rund ein Drittel der Entlassenen das Vorruhestandsangebot angenommen, ein weiteres Drittel habe sich mit der Abfindung auf dem Konto selbst auf die Suche nach einer neuen Tätigkeit gemacht. Und 364 der ehemaligen Mitarbeiter seien in die Transfergesellschaft »Mypegasus« gewechselt, von denen die 192 in der Zeitung erwähnten einen neuen Job gefunden haben.

Bei GE ist indes kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Von den verbliebenen 700 Arbeitsplätzen sollen wegen des schlecht laufenden Kraftwerksgeschäfts nochmals 180 Stellen gestrichen werden, worüber derzeit Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall laufen, berichtete der Mannheimer Morgen.

Schon am 20. Februar hatten die Kollegen auf einer Veranstaltung der IG Metall die Frage gestellt, ob über den weiteren Stellenabbau hinaus der Standort Mannheim geschlossen werden solle. Die dunkle Vorahnung wird durch die Meldung verstärkt, dass neben »Alstom Egypt for Power Projects SAE« in Kairo die beiden Mannheimer Unternehmen »GE Power Systems GmbH« und »GE Power GmbH« wegen Korruption und illegaler Praktiken mit Sanktionen belegt wurden. Wie die Nachrichtenagentur Agence Ecofin am Montag meldete, hat die Afrikanische Entwicklungsbank (BAD) mit Sitz in Abidjan (Cote d’Ivoire) die GE Power GmbH für zwölf Monate und GE Power System GmbH für 76 Monate von Ausschreibungsverfahren ausgeschlossen. Die Strafe könne unter bestimmten Auflagen auf 48 Monate verkürzt werden.

Das Ergebnis der Ermittlungen der internen Antikorruptionsbehörde der afrikanischen Bank: Im Jahr 2006 hatte Alstom ägyptische Beamte mit 963.477 Euro geschmiert, um Dampfturbinen für das Kraftwerk El Kureimat III liefern zu können. Und 2011 hatte Alstom mit 1,7 Millionen Euro örtliche Entscheidungsträger bestochen (abgerechnet wurden nur 50.000 Euro), um den Auftrag für einen Generator und einen Kondensator für ein Kraftwerk in der Umgebung von Suez ans Land zu ziehen, berichtete das Magazin Jeune Afrique am Dienstag.

Aber was sollen die alten Kamellen, mögen die Metaller denken. GE ist nicht Alstom und kooperiert außerdem mit der BAD. Doch die Entscheidung der Afrikanischen Entwicklungsbank könnte Kreise ziehen und von anderen multilateralen Entwicklungsbanken übernommen werden, wie der Asiatischen Entwicklungsbank. Aufträge in anderen Regionen könnten schnell storniert werden – und damit den langsamen Tod von General Electric in Mannheim beschleunigen.

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