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Aus: Ausgabe vom 25.03.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Viel Lärm um nichts

Zu jW vom 18.3.: »Enttäuschung und Applaus«

In dieser Ausgabe gab es gleich drei Artikel, die sich mit dem angekündigten Rückzug von Sahra Wagenknecht von der Fraktionsspitze und bei »Aufstehen« befassen. Was sich dazu der Bundestagsabgeordnete Diether Dehm (Die Linke) mit seinem Gedicht geleistet hat, ist verabscheuungswürdig! Ich fühle mich als »Kleingeistiger, der sein Resthirn hinterherkotzt«, weil ich nicht überrascht bin vom Scheitern der Bewegung »Aufstehen«. Als klassenbewusster Arbeiter – über sechs Jahrzehnte – wundere ich mich über solche Ausfälle nicht. Wer wie in der Partei Die Linke oder in »Aufstehen« nicht begreifen will, dass objektive Erfordernisse und nicht subjektive Ergüsse zur Erreichung politischer Ziele notwendig sind, der wird nicht erfolgreich sein. (…) Es geht um die antagonistische Zusammensetzung und die fraktionellen Gegensätze in der Linkspartei bzw. in »Aufstehen«, die ein objektives Hindernis für ein einheitliches Denken und Handeln sind. Wer glaubt, er könne ohne »moderne« Arbeiterklasse revolutionäre Veränderungen erzielen, der hat die Objektivität der Klassenwidersprüche (…) nicht begriffen.

Doris Prato schrieb erst vor kurzem in einem Leserbrief über die Misere der italienischen Linken: »Es gehört doch zu den marxistischen Grundkenntnissen, sich des Wirkens der Revisionisten in den Reihen der Arbeiterbewegung bewusst zu sein.« Ich füge hinzu: Solange die Partei Die Linke und insbesondere die Kommunistische Plattform sich dazu nicht klar und unmissverständlich positionieren, solange braucht sich der Klassengegner vor Aktionen linker Kräfte nicht zu fürchten, weil sie unwissenschaftlich und spontan sind. Es bleibt die entscheidende Frage: Wem dient das? Ich behaupte: Als Kommunistin hätte Sahra Wagenknecht solche Fehler nicht begangen! Viel Aufwand um »nichts«!

Siegfried Kotowski, per E-Mail

Mehr natürliche Intelligenz

Zu jW vom 19.3.: »Planlos in die Zukunft«

Ich kann die mediale Unisono-Leier in Sachen »künstliche Intelligenz« nicht mehr hören und sehe vielmehr ein bedrohlich anwachsendes Defizit an dringend benötigter »natürlicher Intelligenz«, und zwar aus einem existentiellen Grund: um des nackten Überlebens willen. Wer braucht denn noch ein selbstfahrendes Auto, wenn Stürme der Windstärke 12 zum Alltag werden? Woher soll die Energie kommen, um all diese »Smart Cars« auf ein für die Insassen erträgliches Innenraumklima herabzukühlen bei dann vielleicht über Monate hinweg herrschenden Außentemperaturen von 45 Grad Celsius und mehr?

Die klugen und mutigen Kids, die mittlerweile jeden Freitag weltweit auf die Straße statt in die Schule gehen, verlangen nicht nach »künstlicher Intelligenz« oder »Smart Cars«, sondern nach reiner Luft und klarem Wasser für sich und ihre künftigen Kinder. Statt unzählige Milliarden aus Steuermitteln profitgierigen Megakonzernen für technische Spielereien, die kein Mensch wirklich benötigt, hinterherzuwerfen, müssten diese enormen finanziellen Mittel dringend in weltweite Aufforstungsprogramme, die Nutzung regenerativer Energiequellen und die dezentrale Energiegewinnung, in ökologische Landwirtschaft, öffentliche Verkehrsmittel, in Gesundheit und Bildung sowie präventive Friedenspolitik investiert werden. Bei der inzwischen weltweit grassierenden Dummheit sehe ich diesbezüglich allerdings kaum eine realistische Chance, den planetaren Untergang vielleicht doch noch abwenden zu können.

Reinhard Hopp, per E-Mail

Juristische Kernfragen

Zu jW vom 20.3.: »Diakonie besteht auf Sonderrecht«

Leider hat die SPD in den zwanziger Jahren auch die Änderung der in meinen Augen verfassungswidrigen Sonderrechte der beiden großen Kirchen verschlafen. Sie wurde auf später vertagt. Dazu kam es nicht, denn dann kamen die Nazis. Und 1949 wurde der ganze Mist in der Bundesrepublik ins Grundgesetz übernommen, wiederum ohne Änderung. Wenn die Diakonie argumentiert, dass im besagten Fall »theologische Kernfragen (…) von Juristen entschieden werden«, so könnte man die Sache prima umdrehen: denn juristische Kernfragen dürfen natürlich auf keinen Fall von der Diakonie entschieden werden! Es gilt für die Diakonie kein Sonderrecht in unserem Rechtsstaat. Die Kirchen und damit auch die Diakonie spielen sich auf wie ein »Staat im Staate« (…). Sie sollten lieber erst einmal Betriebsräte einrichten! Und vernünftige Tarifverträge abschließen.

Ulrich Straeter, Essen

Nur mit Damaskus und Russland

Zu jW vom 21.3.: »Krieg nicht vorbei«

(…) Die unter kurdischer Führung stehenden Syrischen Demokratischen Kräfte haben die letzten Stellungen der Dschihadisten des »Islamischen Staats« in Syrien eingenommen. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass ohne die militärische Hilfe vor allem Russlands für die Regierung in Damaskus dieser Sieg nicht möglich gewesen wäre. Der rechtmäßige Präsident Baschar Al-Assad, der von den USA und den meisten europäischen Staaten schon vor Jahren zum Rücktritt genötigt werden sollte, konnte sich – natürlich vor allem durch die Unterstützung des eigenen Volkes und des Militärs – an der Macht halten. Aber die imperialistischen Staaten, allen voran die USA, die Türkei, aber auch Deutschland, wollen sich mit einem unabhängigen Syrien nicht abfinden. Seit 2011 versuchen sie, die Assad-Regierung zu beseitigen, angeblich zugunsten einer »stabilen« und »demokratischen« Regierung, in Wirklichkeit aber, um ihren Einfluss in dem ökonomisch und strategisch wichtigen Land zu festigen. Im Unterschied zu Deutschland wollen andere EU-Länder, so z. B. Spanien und Österreich, einen Kompromiss mit Assad.

Natürlich hat auch Russland eigene Interessen in der Region, aber ohne Verständigung mit der Assad-Regierung und mit Russland wird ein dauerhafter Frieden in Syrien nicht zu erreichen sein. Das sollte auch der deutschen Bundesregierung klarwerden.

Eva Ruppert, Bad Homburg

Ohne Verständigung mit Damaskus und mit Russland wird ein Frieden in Syrien nicht zu erreichen sein. Das sollte auch der Bundesregierung klarwerden.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Herbert Münchow: Nichts als Lärm Ich stimme den Aussagen von Siegfried Kotowski (jW 25.3.) zu. Und trotzdem sieht die Sache vor Ort nicht unbedingt so aus wie in diesem oder jenem Führungszirkel oder aus Sicht dieser oder jener Frakt...
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