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Aus: Ausgabe vom 21.03.2019, Seite 7 / Ausland
Staatsbesuch Brasilien USA

Fan trifft Idol

Brasiliens Staatschef Bolsonaro trifft Trump. Faschist begeistert von US-Lateinamerikapolitik
Von Volker Hermsdorf
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Klare Rollenverteilung: Bolsonaro überreichte Trump am Dienstag in Washington das Trikot des Spielmachers

In Washington trafen am Dienstag mit US-Präsident Donald Trump und Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro zwei extrem rechte Machthaber aufeinander, zwischen denen die Chemie stimmt. Neben der Vorliebe für den Kurznachrichtendienst Twitter, oft einziges Kommunikationsmittel, haben sie jede Menge weitere Gemeinsamkeiten. Die beiden militanten Antikommunisten verachten Homosexuelle, Schwarze und Frauen, hassen kritische Medien, verteidigen den freien Handel und Besitz von Schusswaffen, und stehen positiv zur Folter.

Wie Trump ist auch Bolsonaro davon besessen, Brasiliens Nachbarland Venezuela sowie Nicaragua und Kuba mit der Art von Demokratie zu beglücken, die zu Hause Zigtausende Bürger in Angst und Schrecken versetzt. Seit Dienstag eint die beiden auch der Wunsch, Brasilien in die NATO zu führen. Er wolle das Land »zu einem wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten« ernennen, »oder vielleicht, wenn man darüber nachdenkt, zu einem NATO-Mitglied machen«, sagte Trump. Bolsonaro bedankte sich, bat Washington um Waffenlieferungen und kündigte den Ausbau der militärischen Zusammenarbeit an. »Brasilien und die Vereinigten Staaten waren sich nie näher«, erklärten beide auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Der Faschist und selbsterklärte Trump-Bewunderer Bolsonaro war bereits am Sonntag in Washington eingetroffen. »Zum ersten Mal seit langer Zeit kommt ein brasilianischer Präsident nach Washington, der nicht antiamerikanisch ist«, erklärte er devot bei seiner Ankunft. Am Abend lud er Vertreter des rechten Randes der USA, darunter auch Stephen Bannon, Trumps ehemaligen Berater und ultrarechten Vordenker, zu einem Essen in die Botschaft ein. Abweichend vom Protokoll und bei Staatsbesuchen nicht üblich, suchte Bolsonaro am Montag, dem ersten offiziellen Besuchstag, dann überraschend das CIA-Hauptquartier auf. Später forderte er in einer Rede vor der Handelskammer entschlossenes Handeln. »Wir müssen Venezuela in Ordnung bringen … Wir müssen die venezolanische Nation befreien«, erklärte der Gast aus Brasilien, der seinen Spitznamen »Tropen-Trump« stolz wie einen Orden trägt. »Und natürlich rechnen wir fest mit der Unterstützung der Vereinigten Staaten, um dieses Ziel zu erreichen«, fügte er hinzu.

Am Dienstag sprachen Trump und Bolsonaro dann auch über ein mögliche Militäroperation in Venezuela. Die dortige Situation sei »eine Schande« erklärte der US-Präsident und kündigte der venezolanischen Regierung des gewählten Präsidenten Nicolás Maduro weitere, »und noch schärfere« Sanktionen an. »Wir haben noch nicht die härtesten Sanktionen verhängt«, sagte Trump bei einer gemeinsamen Pressekonferenz und drohte: »Wir können noch deutlich härter werden.« Beide Politiker bekräftigten ihre vorbehaltlose Unterstützung für Putschistenführer Juan Guaidó, dessen Anhänger kurz zuvor – mit Billigung der US-Behörden – Botschafts- und Konsulatsgebäude Venezuelas in den USA okkupiert hatten. Der Faschist aus Brasilien äußerte sich vor der Presse begeistert von Trumps Lateinamerika-Politik. Dessen erklärtes Ziel, den einstigen Hinterhof der USA, unter Berufung auf die Monroe-Doktrin, zurückzuerobern, erwähnte er nicht.

Im vertraulichen Gespräch hatte Bolsonaro zuvor eine Neuausrichtung der brasilianischen Außenpolitik und eine weitere wirtschaftliche und militärische Annäherung an die USA versprochen. Trump sprach danach euphorisch von einem »historischen Treffen der beiden größten Volkswirtschaften der westlichen Hemisphäre« und kündigte die Begründung einer »neuen Nord-Süd-Achse« an. Dabei gehe es unter anderem um bilaterale Kooperationen in Wirtschaft und Wissenschaft. Weitere Themen waren die Beziehungen zu China, der Demokratischen Volksrepublik Korea und dem Iran. China ist derzeit Brasiliens bedeutendster Handelspartner. Bolsonaro sagte zu, den chinesischen Einfluss in seinem Land zurückdrängen zu wollen. Das entspricht den Interessen der Trump-Regierung. Auch im Nahen Osten liegen die beiden Rechtsausleger auf einer außenpolitischen Linie. Ende März will Bolsonaro nach Israel reisen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hatte er im Januar die Verlegung der brasilianischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt und war auch damit seinem großen Vorbild Donald Trump gefolgt.

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