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Wild zusammengekauft

Von Marek Lantz
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Rausschmisse gewohnt: Extrainer von KFC Uerdingen, Norbert Meier

Was dauert 40 Tage? Ein langer Urlaub, eine Diät? Das Trainerengagement Norbert Meiers bei Fußballdrittligist KFC Uerdingen ging jedenfalls, nach dem 1:1 am Freitagabend im Heimspiel gegen Fortuna Köln, nach genau 40 Tagen zu Ende. Entlassen wurde er vom allmächtigen KFC-Clubchef Mikhail Ponomarev.

»Sieben Spiele ohne Sieg sind eindeutig, da bedarf es wohl keiner weiteren Erklärung. Die Zahlen sprechen für sich«, ließ Ponomarev bereits zwei Stunden nach Spielschluss wissen. Wie so viele Coaches in zahllosen Amateurspielklassen des Landes ist auch Meier daran gescheitert, aus einem wild zusammengekauften Allstarsammelsurium eine Mannschaft zu formen. Denn der Kader des erst im vorigen Sommer dank Ponomarevs Finanzspritzen in die Drittklassigkeit aufgestiegenen KFC ist gespickt mit ehemaligen Bundesligaprofis, die auf ihre älteren Tage noch einmal mit deutlich weniger Trainingsaufwand abkassieren. Weltmeister Kevin Großkreutz ist der bekannteste von ihnen.

Der Geschasste nahm den Rauswurf professionell, schließlich erlebt er so was nicht zum ersten Mal und weiß genau, dass harsches Nachkeilen arbeitsrechtliche Konsequenzen haben kann und auch bei potentiell anstehenden Abfindungsverhandlungen nicht eben hilfreich wäre: »Die Zahlen sind so, aber ich gehe erhobenen Hauptes. Diese Mannschaft zu entwickeln, ist ein Prozess, der Zeit braucht. Die will man mir nicht mehr geben. Aber die Mannschaft ist intakt, sie lebt. Das hat man gegen Köln gesehen.« Nullsätze, aber der Situation angemessene. Die Nachfolge bis Saisonende übernimmt nun der frühere Bochumer Frank Heinemann. Den hatte Meier pikanterweise erst vor 14 Tagen zu seinem Kotrainer bestellt, nachdem er mit ihm schon in Darmstadt und Kaiserslautern zusammengearbeitet hatte. »Jetzt bin ich Cheftrainer. So schnell geht das«, wunderte sich Heinemann über das zügige Nachobenpurzeln auf der Hierarchieleiter. In der Tabelle rangieren die von Meier im Winter einmal als Aufstiegskandidat übernommenen Uerdinger inzwischen als Neunte jenseits von Gut und Böse.

Klar auf Aufstiegskurs ist hingegen der VfL Osnabrück, der nach dem 3:1 gegen den immer akuter abstiegsgefährdeten Vorletzten, FC Carl Zeiss Jena, schon neun Punkte Vorsprung auf Wehen Wiesbaden hat, die auf dem Relegationsplatz stehen. Als Zweiter und wohl einziger ernsthafter Konkurrent folgt der Karlsruher SC, der bei Energie Cottbus mit 2:0 gewann. »Die Leistung war überragend. Jeder von uns hat sich zerfleischt«, befand KSC-Doppeltorschütze Marvin Pourié. Energie fiel damit wieder auf einen Abstiegsplatz zurück, könnte diesen aber schon Mittwoch mit einem Erfolg im Nachholspiel in Unterhaching wieder verlassen.

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