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Wer bezahlt?

Von Rafik Will
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Bezahlt wird nicht! Internationales Hacker-Meeting bei Berlin

Werbung zielt auf Gefühlswelten potentieller Käufer. Autoreklame arbeitet mit Freiheitsversprechungen, und für Waschmittel wird auf Keimphobien gezielt. Aber auch der Verkaufsvorgang selbst kann optimiert werden. Wie das geht, erklärt Mirko Heinemann in  »Wir verkaufen Emotionen – Erlebnisshopping ist die Zukunft des Handels« (DLF Kultur 2019; Di., 19.30 Uhr, DLF Kultur). Er hat dafür unter anderem einen Outdoor-Ausstatter mit Höhenkammer besucht. Ob sich der Einzelhandel mit solchen Neuerungen gegen die Onlinekonkurenz behaupten kann? Die setzt schließlich auch auf die Inszenierung von Gefühlswelten.

Einen Vorteil haben kleine, »echte« Läden: Sie können auch bei Stromausfall öffnen, wenn sie keine verderblichen Waren anbieten. Obwohl natürlich vieles digitalisiert wurde, vom Warenlager bis zur Kasse. Ein Stromausfall kann durch übernächtigte Bauarbeiter oder Hacker verursacht werden. Mit deren Geldgebern beschäftigt sich Anna Loll in  »Magier der digitalen Welt – Wer bezahlt die Hackerszene?« (SWR 2019; Ursendung Mi., 22 Uhr, SWR 2). Zeitgleich ist Lars Meyer in »Kiew lesen mit Bulgakow« (MDR 2019; Ursendung Mi., 22 Uhr, RBB-Kulturradio und MDR Kultur) auf den Spuren des Romans »Die weiße Garde« unterwegs.

Nach Paris führt die Sendung  »Deutungsversuche zur Gelbwesten-Bewegung« (Do., 8 Uhr, FSK) von Radio Corax, dem Hamburger Centro Sociale und der Leipziger Translib. Wer sich immer schon gefragt hat, wen die Warnwesten wovor warnen sollen, sollte hier einschalten.

Ein hundertjähriger Medizinmann in Ruanda spielt die Hauptrolle in Aurélie Nyirabikali Liermans »Sogokuru« (DLF Kultur/CTM/ORF 2019; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF). Das Stück widmet sich der Orientierung in komplexen Umgebungen wie einer Großstadt oder einem dichten Regenwald. Entstanden ist die Arbeit nach dem Gewinn des Produktionspreises »CTM Radio Lab«.

Ein Zukunftsszenario auf dem Gebiet der Strafverfolgung haben Fabian von Freier und Andreas von Westphalen mit »Programm der Freiheit« (WDR 2015; Fr., 19 Uhr, WDR 3) entworfen. Als Gadget bietet das Hörspiel die vollautomatische Traumanalyse zum Schuldigkeitsnachweis. Allerdings befindet sich das Verfahren noch in der Testphase, weshalb es menschliche Versuchskaninchen braucht. Wie sich die Verhältnisse auf einem abgeschiedenen Hof gestalten, untersucht am selben Abend ein Klassiker in moderner Hörspielform mit Peter Weiss’ »Der Schatten des Körpers des Kutschers« (BR 2010; Fr., 21 Uhr, Bayern 2) ins Radio.

Brigitte Baetz’ »Eine Stadt als Experimentierkammer für das Dritte Reich – Coburg und der Nationalsozialismus« (DLF 2019; Sa., 13 Uhr und So., 21 Uhr, Bayern 2) beschäftigt sich mit der ländlichen Keimzelle des deutschen Faschismus. Tom Schimmeck fragt dann, ob das Ökoimage der BRD etwas taugt, in »Dreckschleuder Deutschland – Über die Gefährdung unserer Lebensgrundlagen« (NDR 2019; Ursendung So., 11 Uhr, NDR Info), und der emotionale Dreck der Durchschnittsdeutschen wird in Hofmann und Lindholms »Donalds Donald – Hasstiraden, Kommandos und Liebesschwüre« (DLF/WDR/RBB 2018; So., 18.20 Uhr, SWR 2) an die Oberfläche gekehrt. Grundlage der Radioarbeit sind im O-Ton eingesammelte Gewaltphantasien gegen Nachbarn. Darum, dass auch die Vollstreckung eines Todesurteils erst einmal finanziert werden muss, und sei es durch die Ausleihe einer Guillotine, geht es in Guy de Maupassants »Die Strafe« (Rundfunk der DDR 1976; So., 21 Uhr, NDR Info). Bleibt noch das Hörspiel des Jahres 2018: Susann Maria Hempel »Auf der Suche nach den verlorenen Seelenatomen oder: Unser ist des heiligen Waldes Dunkel« (RBB 2018; Mo., 21 Uhr, Bremen 2).

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