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Aus: Ausgabe vom 13.03.2019, Seite 16 / Sport

Mental eher schwach

Von André Dahlmeyer
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Bittet um seelischen Beistand oder formt einen Ball – San Lorenzos Krisentrainer Jorge Almirón

Einen wunderschönen guten Morgen! Die argentinische Superliga (SAF) im Balltreten für Jungs ist so spannend wie nie. Die Boca Juniors empfingen den Papstklub San Lorenzo de Almagro, gegen den die Xeneizes immer noch eine Negativbilanz aufweisen. Überdies konnte Boca seit Jahren nicht mehr zu Hause gegen den »Ciclón« gewinnen. Dieses Mal reiste San Lorenzo als 26. und also Tabellenletzter in den Süden der Hauptstadt. Seit 14 Spielen hatte der Ciclón in der Liga nicht mehr gewinnen können, zwölf davon unter dem als Startrainer verpflichteten Jorge Almirón. Und wieder begann ein Match für den Azulgrana pessimistisch: Innenverteidiger Fabricio Coloccini unterlief im rechten Mittelfeld ein folgenschwerer Passfehler, die Kugel gelangte rasch zu Mauro Zárate, der am Strafraum zwei, drei Verteidiger mühelos abschüttelte und schließlich, nach knapp vier Minuten, unten rechts zur Führung für die »Bosteros« (Pferdeäpfel) einlochte.

Nach einer Weile fingen sich die Sanlorencistas wieder ein wenig und hatten auch ihre Chancen, obwohl sie in letzter Zeit definitiv das Ligateam sind, das am seltensten den gegnerischen Sechzehner betritt. Dummerweise kam ein Eigentor dazwischen und dann auch noch der Platzverweis für Tormann Monetti, der Bocas Neuner »Wanchope« Ábila bei eigenem Ballbesitz subtil am Zurücklaufen hinderte. Der Kolumbianer Villa liquidierte das Match dann mit seinem Tor zum 3:0, und als Bocas Rechtsaußenverteidiger Julio Buffarini, der 2014 mit San Lorenzo die Copa Libertadores gewonnen hat, bei diesem Spielstand einen Pass per Rabona Richtung Elfmeterpunkt absandte, eskalierte das Spiel, die Papstkicker fühlten sich düpiert, gedemütigt, bloßgestellt. Der Ciclón präsentierte sich schüchtern und schwach an mentalen Ressourcen.

Am Sonntag müssen diese Kicker in Rosario im Stadion »Riese des Bächleins« gegen Central antreten, den Verein der Intellektuellen Rosarios, der Künstlerhauptstadt Argentiniens, und wenn San Lorenzo verliert, stellt es seinen eigenen Negativrekord von 1976 mit 16 sieglosen Ligaspielen in Folge ein. Zuvor wird allerdings heute im eigenen Nuevo Gasómetro in der Gruppenphase der Copa Libertadores Junior aus dem küstenkolumbianischen Barranquilla erwartet. Wenn San Lorenzo wieder nicht gewinnt, kann sein Trainer Almirón duschen gehen und diese unerwartete Freizeit etwa für einen schicken Aperitif beim peronistischen Papst im Vatikan nutzen. Seelischen Beistand wird er gut gebrauchen können.

Der Racing Club lag während seines Betriebsausflugs im Elefantenfriedhof von Santa Fe gegen Colón nach einem Strafstoß mit 1:0 zurück, doch in der Nachspielzeit gelang Ex-Banfield Darío Cvitanich noch der vielumjubelte Ausgleich, weshalb die Racinguistas von Trainer »Chacho« Coudet ihren Vorsprung am Tabellenspitzchen gegenüber Defensa y Justicia auf vier Punkte ausbauten. Defensa kickte Dienstag morgen (MEZ) gegen Banfield – ebenfalls aus dem prekären Süden von Buenos Aires. Es ging hin und her und am Ende sicherte sich das Team mit dem interessantesten Fußball der letzten fünf Jahre in Argentinien, Defensa y Justicia, den Sieg mit einem Golazo kurz vor Schluss zum 3:2-Endstand. Alle drei Treffer für Defensa erzielte Nicolás Fernández. Eine Truppe mit Hunger nach Gloria. Alles unbekannte Spieler. Jetzt haben sie nur noch einen Punkt Rückstand auf Racing – bei neun auszuspielenden. Zum ersten Mal ist ein Spieler dieses Vereins in die argentinische Nationalmannschaft berufen worden. Am Wochenende tritt Defensa bei Patronato in der Provinz Entre Ríos an, bei einem Klub, der mit einem Bein abgestiegen ist. Am letzten Spieltag treffen Racing und Defensa im »Cilindro« von Avellaneda, dem Estadio Juan Domingo Perón, aufeinander. Hoffentlich ein Endspiel.

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