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Aus: Ausgabe vom 13.03.2019, Seite 11 / Feuilleton

Janka, Tiller

Von Jegor Jublimov
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»Problembewusstsein, das lange nicht gewollt war«: Walter Janka im Dezember 1989 als Gast auf dem außerordentlichen SED-Parteitag in der Dynamo-Halle, Berlin

Meinungsverschiedenheiten unter Kommunisten gab es seit der KPD-Gründung vor 100 Jahren – selbst die Säulenheiligen Lenin, Luxemburg und Liebknecht waren sich oft uneins. Unter dem Eindruck von Stalins in Teilen erfolgreicher Politik versuchte die KPD immer stärker, unterschiedliche Meinungen zu eliminieren, und die SED sah sich später im Kalten Krieg veranlasst, nach außen eine Einheit zu demonstrieren, die es de facto nicht gab. So kam es zu Brüchen in Biografien aufrechter Genossen. Das Verdienst von Walter Janka, 1914 geborener Jungkommunist, KZ-Häftling, Spanienkämpfer, Exilant in Mexiko, schließlich als Kulturfunktionär bei der Entwicklung von DEFA und Aufbau-Verlag erfolgreich, lag darin, dass er die politischen Probleme, die ihn 1957 in DDR-Haft geführt hatten, öffentlich machte. Mit seinem im Herbst 1989 veröffentlichten Buch »Schwierigkeiten mit der Wahrheit« schuf er ein Problembewusstsein, das lange nicht gewollt war. Dass es heute in der Linkspartei offen ausgetragene Widersprüche gibt, ist dem Geist zuzurechnen, den er neu angestoßen hatte. Nicht gefallen konnte ihm, mit seiner berechtigten Kritik dazu beigetragen zu haben, dass viele DDR-Bürger in den Westen überliefen. Am Sonntag jährt sich sein Todestag zum 25. Mal.

Jean-Paul Belmondo, Yul Brynner, Curd Jürgens, Robert Mitchum und Dean Reed zählten zu den internationalen Stars, mit denen die Österreicherin Nadja Tiller spielte, als sie zwischen 1958 und 1968 zu den attraktivsten Schauspielerinnen Europas zählte. Die Wienerin, die von der Schauspielschule flog, weil sie 1949 an der Wahl zur »Miss Austria« teilnahm, folgte ihren bühnenerfahrenen Eltern nach. Im ersten, in der sowjetischen Wiener Besatzungszone entstandenen Marika-Rökk-Film »Kind der Donau« war sie 1949 noch Statistin und kämpfte sich nach oben. Bei Rolf Thiele, der gern Anspruch mit Erotik verband, war sie beim Richtigen. Mit dem gesellschaftskritischen Film »Das Mädchen Rosemarie« hielt sie 1958 nicht nur der moralisch verlogenen Adenauer-Ära den Spiegel vor. In der Folgezeit wurde sie international angefragt, wobei sie auch Fehler machte. Der ihr unbekannte italienische Regisseur Federico Fellini wollte sie für seinen Film »La dolce vita«, aber sie gab ihm einen Korb. Ihre 1956 geschlossene Ehe mit dem Kollegen Walter Giller war nicht krisenfrei, hielt aber bis zu dessen Tod 2011. Wie sehr sie auch in reifen Jahren mit Erotik identifiziert wurde, zeigte 1988 ein Song der Gruppe Foyer des Arts: »Walter Giller, Nadja Tiller / Penis, Vagina …«. Gleichwohl hat sich Tiller bis ins hohe Alter als Charakterschauspielerin bewiesen. In einer altersgerechten Wohnung in Hamburg kann sie am Samstag ihren 90. Geburtstag begehen.

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