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Aus: Ausgabe vom 13.03.2019, Seite 2 / Inland
Personalkarussell

Vorstand ohne »Aufsteherinnen«

Nach Wagenknecht will auch Vize Dagdelen kein Linke-Fraktionsamt mehr
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Sevim Dagdelen (l.) und Sahra Wagenknecht (Archivbild)

Nach Sahra Wagenknechts Ankündigung, nicht erneut als Kovorsitzende der Linksfraktion im Bundestag zu kandidieren, will auch Sevim Dagdelen bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands ihren Stellvertreterinnenposten aufgeben. Dies bestätigte ihr Büro am Dienstag gegenüber junge Welt, nachdem es andere Medien bereits aus »Fraktionskreisen« berichtet hatten. Dagdelen stand im innerparteilichen Streit um die von Wagenknecht ins Leben gerufene Sammlungsbewegung »Aufstehen« auf der Seite der Fraktionschefin. Wagenknecht hatte sich vor wenigen Tagen auch aus dem Vorstand von »Aufstehen« zurückgezogen. Am Montag hatte Wagenknecht ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Fraktionsvorsitz in einer Mail an ihre Abgeordnetenkollegen bekanntgegeben. Dafür gab sie gesundheitliche Gründe an, nachdem sie mehrere Wochen ihre Termine abgesagt und auch beim Europaparteitag der Linken in Bonn Ende Februar krankheitsbedingt gefehlt hatte. Ihr Mandat im Bundestag will sie aber behalten. Wann genau der Vorstand der Fraktion neu gewählt wird, steht noch nicht fest. Deren Kovorsitzender Dietmar Bartsch betonte am Dienstag in Berlin: »Es wird keine Neuausrichtung der Fraktion geben.« Alle Mitglieder seien »auf der Grundlage eines Wahlprogramms gewählt«. Wenn die Gesundheit der Grund für Wagenknechts Schritt sei, müsse man ihr Respekt zollen und dürfe nicht hämisch reagieren.

Unter anderem die Berliner Landesvorsitzende der Linken, Katina Schubert, die bisher »Aufstehen« distanziert gegenüberstand, hatte Wagenknechts Rückzug von der Spitze der Sammlungsbewegung am Montag scharf kritisiert: »Ich nehme das verwundert zur Kenntnis und hoffe, dass sich jetzt nicht die Menschen, die tatsächlich Hoffnung in das Projekt gesetzt haben, von der Politik abwenden«, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). »Man darf nicht mit Menschen und ihren Erwartungen spielen.«

Wagenknecht und Bartsch stammten ursprünglich aus verschiedenen Parteiflügeln – er galt als »Reformer«, sie bezeichnete sich bis vor einigen Jahren als Kommunistin und gilt für einige immer noch als Vertreterin des linken Flügels. Zuletzt verfolgte Wagenknecht aber ebenfalls einen reformistischen Kurs. Mit »Aufstehen« wollte sie nach eigener Aussage einen Linksschwenk in der SPD und bei den Grünen herbeiführen, um Regierungsbündnisse zu ermöglichen. (dpa/jW)

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