Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Aus: Ausgabe vom 06.03.2019, Seite 16 / Sport

So einfach geht feiern!

Von André Dahlmeyer
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Klimavorteil für Venezuela: In der Arena Fonte Nova in Salvador da Bahia wird es heiß

Einen wunderschönen guten Morgen! Nach der WM ist vor der Copa América. Glücklicherweise wird diese bereits am 14. Juni im Estádio do Morumbi von São Paulo mit dem Spiel zwischen Gastgeber Brasilien und Bolivien eröffnet. Bis dahin heißt es also durchhalten. Immer noch besser als zum Zahnarzt zu müssen.

Bei der Auslosung des ältesten Turniers für Nationalmannschaften Ende Januar in Rio de Janeiro hat Brasilien eine verdächtig schwere Gruppe erwischt: Neben Bolivien dürfen die Brasucas in der Gruppe A auch noch gegen die Balltretschwergewichte Venezuela und Peru ran. Aber Achtung! Das tropische Klima in Salvador da Bahia könnte in der dortigen Arena Fonte Nova die Aktien der »Vinotinto«, der Auswahl Venezuelas, steigen lassen. In den letzten Jahren befand sich der venezolanische Fußball eigentlich im Aufwind, 2017 schaffte man es sogar ins Finale der U-20-WM, das mit 0:1 gegen England verlorenging. Für die diesjährige Auflage in Polen konnten sich beide Finalisten nicht mal mehr qualifizieren. Vielleicht war das alles nur ein laues Lüftchen? Indes, nachvollziehbar ist es. Die Lage in Venezuela ist dramatisch, und Engländer mag ich sowieso nicht (außer Lemmy Kilmister und Kevin Keegan). Dennoch: Brasilien, das sich bis dato in keiner Gruppenphase eines internationalen Wettbewerbs je angestrengt hat, wird sich zusammenreißen müssen, will man nicht die größte Blamage aller Zeiten (seit 2014) erleben. Denn auch mit Peru ist nicht zu spaßen, und daran, dass Bolivien außerhalb Boliviens mit einer Zehnerkette auflaufen wird, hegt niemand ernsthafte Zweifel. Einmal in den Viertelfinals – mit denen beginnt die K.-o.-Runde – ist der »Scratch« natürlich der klare Favorit auf den Titel.

In 103 Copa-Jahren wird der Wettbewerb erst zum fünften Mal in Brasilien ausgetragen, zuletzt war man 1989 Gastgeber. Diese Copa war eigentlich für 2015 angesetzt, doch die Lula-Jünger hatten sich übernommen: Fast zeitgleich mussten ebenfalls Konföderationen-Pokal, WM und Olympische Spiele organisiert werden. Die Ausrichtung der Copa wurde letztlich mit den Chilenen getauscht.

Die anderen beiden Gruppen sind sogenannte Todesgruppen. Das bedeutet nicht, dass die Spieler auf dem Platz Harakiri machen oder kubanische Flieger die Stadien bombardieren werden, es ist lediglich eine Redensart. Der amtierende Doppel-Subcampeón Argentinien (dort gilt ein zweiter Platz als der erste der letzten) eröffnet die Gruppe B in Salvador da Bahia gegen Kolumbien. Zu erwarten sind deutliche Klimavorteile für die kolumbianischen »Cafeteros«, die ihre Heimspiele immer in der Gluthitze von Barranquilla absolvieren. Vier Tage später muss die Albiceleste in Belo Horizonte gegen Paraguay ran, dessen Mannschaft wie die kolumbianische und die argentinische gerade dabei ist, sich neu zu formieren. Zu guter Letzt geht es in Porto Alegre gegen die Auswahl Katars, eines der beiden »Eingeladenen« – der andere ist Japan. Ich habe gute Nachrichten für die Gauchos: Auch die beiden besten Drittplazierten, also zwei von drei, qualifizieren sich für die Viertelfinals. So einfach geht feiern!

Titelverteidiger Chile hat ebenfalls eine unschöne Gruppe erwischt. Gleich zum Auftakt geht es in São Paulo gegen die Automaten aus Japón, die bei der WM mit Kolumbien erstmals ein südamerikanisches Team besiegten. Sie waren zuletzt zur Copa América 2011 in Argentinien eingeladen worden, mussten wegen des Fukushima-GAUs jedoch passen. Danach warten die physisch überlegenen Ecuadorianer in Bahia und die »Charrúas« aus dem schönen Uruguay im Maracanã, einem Stadion, das der gemeine Uru seit bald 70 Jahren ganz besonders gerne mag. Gut Sport, Amerika!

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