Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. Mai 2019, Nr. 120
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 06.03.2019, Seite 5 / Inland
Insiderhandel

Razzia bei Privatbank

LKA ermittelt gegen Kochef von Berenberg
Von Kristian Stemmler
063_597894070.jpg
Hendrik Riehmer beim Berenberg Golfturnier im GlenArbor Golf-Club New York (29. August 2016)

Er gilt als Sanierer der traditionsreichen Hamburger Berenberg-Bank, ein früherer Kollege bezeichnet ihn im Handelsblatt von Montag als »Deutschlands besten Aktienhändler«. Doch jetzt fällt ein Schatten auf den Kochef der Bank, Hendrik Riehmer. Wie das Hamburger Abendblatt am Sonnabend berichtete, durchsuchten Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) seine Villa in einem feinen Vorort, die Bankenzentrale am Jungfernstieg und weitere Objekte. Der Verdacht: Insiderhandel.

Bereits Anfang 2017 soll Riehmer eine enge Bekannte und den Immobilienunternehmer Daniel C., einen ehemaligen Berenberg-Mitarbeiter, über einen bevorstehenden Aktiendeal informiert haben, für dessen Koordination die Bank zuständig war. Der Reisekonzern TUI wollte damals seinen Aktienbestand der Reederei Hapag-Lloyd zu einem garantierten Mindestpreis verkaufen. Riehmers Bekannte und Daniel C. sollen Hapag-Lloyd-Papiere erworben haben. Als die TUI im Juli 2017 ihre Absicht bekanntgab, das Aktienpaket zu veräußern, zog der Kurs um fast zehn Prozent an. Die Aktien der Bekannten sollen dabei laut Abendblatt um fast 200.000 Euro an Wert gewonnen haben, die aus dem Besitz von Daniel C. um mehr als drei Millionen Euro.

Finanzermittler des LKA hätten im Rahmen der Vermögensabschöpfung auch sogenannte Arrestbeschlüsse erwirkt und fast 20 Millionen von den Konten des Immobilienunternehmers und mehr als eine Million Euro auf den Konten der Bekannten eingefroren. Hendrik Riehmer wird bisher nicht vorgeworfen, einen unmittelbaren Vorteil aus dem Geschäft erlangt zu haben.

Die Finanzaufsicht Bafin hatte die förmliche Untersuchung, die Ausgangspunkt der Ermittlungen war, im Nachgang einer Pflichtmitteilung der Hapag-Lloyd am 10. Juli 2017 gestartet. Die Berenberg-Bank reagierte auf die Razzien mit der in diesen Fällen üblichen Formel. Man kooperiere mit den Behörden »vollumfänglich« und gehe »fest davon aus«, dass sich der Verdacht nicht bestätigen werde. Riehmer äußerte sich gegenüber dem Abendblatt nicht.

Dafür war der Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch, Finanzexperte der Linksfraktion, bereit, im Gespräch mit junge Welt am Dienstag den Vorgang einzuordnen. Die »ehemals ehrwürdige« Berenberg-Bank sei schon seit Jahren in Verruf geraten. So sei sie in die Affäre um geleakte Unterlagen der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca verwickelt gewesen, die unter dem Titel »Panama Papers« im April 2016 hochkochte. Der Bank wurde vorgeworfen, Geldwäsche organisiert zu haben. Pikant: Berenberg-Chef Hans-Walter Peters war zeitgleich Chef des Verbandes der privaten Banken geworden.

»Jetzt auch noch der Vorwurf des Insiderhandels und es gibt noch andere laufende Ermittlungen«, erklärte Hackbusch, »welch ein Desaster für den Hamburger Bankenstandort«. Auch die andere große Privatbank in der Hansestadt, die Warburg-Bank, stehe im Fokus von Ermittlungen und zwar wegen Beteiligung an Cum-Ex-Geschäften. »Die Hamburger Privatbanken wirken wie ein Kraftzentrum halblegaler bis illegaler Geschäfte«, so der Linken-Abgeordnete. Der Bankenaufsicht stehe es gut an, sich »angesichts der Häufung dieser Vorwürfe besonders intensiv um diese Banken zu kümmern – zumal wir wissen, dass nur ein Teil der illegalen Geschäfte überhaupt bekannt wird«.

Vor diesem Hintergrund setze sich die Linke für einen besonderen Schutz von Whistleblowern ein. »Sie sind der wichtigste Motor für Erkenntnisse in dieser Szene«, so Hackbusch. Daher sei seine Partei besorgt über den Vorschlag einer neuen EU-Richtlinie, die Whistleblower schützen solle, nach Ansicht von Kritikern aber das Gegenteil erreichen würde. Zu den Razzien erklärte Norbert Weber, früherer Bankmanager und Berater der Linksfraktion, am Dienstag gegenüber jW, die Versuchung sei immer groß, »Herrschaftswissen auch zum persönlichen wirtschaftlichen Vorteil zu nutzen«. Der überwiegende Teil »derartiger Fallgestaltungen« falle niemals auf.

Ähnliche:

  • Auf Krawall gebürstet waren während des G-20-Gipfels in Hamburg ...
    14.05.2018

    G-20-Fahndungsfieber

    BKA und LKA starten europaweite Suche nach 24 Personen, die am Rand des Hamburger Gipfels im Juli 2017 randaliert haben sollen
  • 14.03.2018

    Kumpelhafte Geste

    Neonazi und »szenekundiger« Polizeibeamter begrüßten sich in Hamburg mit Handschlag

Regio:

Mehr aus: Inland