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Aus: Ausgabe vom 02.03.2019, Seite 11 / Feuilleton
Comic

Nektar saugen

OL und Rattelschneck in Berlin

Am kommenden Dienstag nachmittag werden im Kulturwürfel Wabe des Thälmann-Parks in Berlin, Prenzlauer Berg Hunderte kostümierte Kinder den Tag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch feiern, bevor es Schlag 20 Uhr heißt: »Fuck Faschingsdienstag! OL & Rattelschneck präsentieren ihre neue Show mit alten Witzen, ›Witze-die-sich-keiner-traut‹ (öffentlich-zu-zeigen-und-dafür-Geld-zu-nehmen)«. Der Abend hat seinen Titel »Honig im Topf« ausschließlich vom Namen des Veranstaltungsortes, die beiden Comiczeichner werden den Nektar zu saugen wissen. OL (von Olaf Schwarzbach – er war in seiner Jugend in der DDR zu faul, seinen Vornamen auszuschreiben, Bild oben links) und Rattelschneck (von Rattlesnake, englisch für Klapperschlange) gehören zu den großen Humorpionieren hierzulande. OL als Vater aller Strichmännchen, die beim stabilen Saufen zu ewigen Wahrheiten kommen, die sie nicht eine Sekunde behalten können. Rattelschneck als 1988 gegründetes Kollektiv, von dem heute vor allem noch Marcus Weimer (Bild oben rechts) übrig ist.

Zu OLs Verdiensten gehören die Demaskierung Helmut Markworts (Focus) im Jahre 1995 (»Ficken, Ficken, Ficken …«) und kaum weniger mutige Feldforschungen in Prenzlauer Berg (»Die Mütter vom Kollwitzplatz«). Rattelschnecks Weimer brachte unter anderem die deutsche Küche auf den Begriff (»Stulli, das Pausenbrot, schön mit Margarine beschmiert und dick mit Fleischsalat belegt«), schrieb Gags für Olli Dittrich und erweiterte im Laufe der Jahrzehnte in den großen Zeitungen die Grenzen dessen, was als gerade noch druckbar galt. In jW nimmt sein »Freizeitroboter Uwe« Sonnabend für Sonnabend dem Leser die Zukunftsängste, auch in dieser Ausgabe wieder (siehe S. 7 der Wochenendbeilage). (jW)

5. März, 20 Uhr, OL- und Rattelschneck-Show in der Wabe, Danziger Str. 101, 12 Euro Eintritt für »2 x 40 Minuten mit Pausenbrot und Gewinnquiz«

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