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Zuversichtliche Investoren

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
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Nur ein kleiner Ausrutscher: Entgegen früheren Ankündigungen verzichtet Fed-Chef Jerome Powell auf Zinserhöhungen

Da sage noch jemand, die Notenbank der USA sei machtlos. Seit ihr Chef, ein gewisser Jerome Powell, öffentlich klargemacht hat, dass er auf die früher eingeplanten Zinserhöhungen in diesem Jahr wahrscheinlich verzichten wird, sind die Aktienmärkte, wie Spekulanten so gerne menschelnd sagen, wieder in bester Laune. Die Verluste des »katastrophalen« Vorjahres sind in den USA nach nur zwei Monaten 2019 wieder vollkommen aufgeholt. In Deutschland, wo unser geschätzter Dax (Deutscher Aktienindex) noch mehr verloren hatte, ist es auch bald soweit.

Zunächst aber gilt es, die Einbußen von 2018 zur Kenntnis zu nehmen. Wir orientieren uns an einem der größten Investoren Europas, dem norwegischen Staatsfonds. Er hat, wie auch in der deutschen Presse zu lesen ist, im »katastrophalen« Jahr Verlust gemacht. Der Wert des von ihm verwalteten Vermögens fiel um 6,1 Prozent auf nur noch 850 Milliarden Euro. Der Verlust von 2018 ist bei den Aktien entstanden: minus 9,5 Prozent, während bei Anleihen ein kleiner und bei Immobilien ein ansehnlicher Gewinn anfiel. Kein Zweifel, der Fonds wird seriös verwaltet, nämlich von der norwegischen Notenbank im Auftrag des Finanzministeriums. Sie hat bereits beschlossen, dass der bisher schon hohe Aktienanteil von 66,3 Prozent auf 70 Prozent weiter erhöht werden soll. Seriös ist sicher auch, dass von den Aktien im Bestand 40 Prozent von US-Unternehmen sind. Wir können daraus ablesen, dass unter seriösen Managern großer Fonds Zuversicht herrscht, dass der Finanzmarkt der Welt unter Führung des Finanzmarkts der USA seinen geregelten Gang nach oben wieder aufnimmt.

Dazu noch Impressionen von der »Super Return« in Berlin. Das ist die angeblich weltweit größte Veranstaltung (»the world's largest private equity and venture capital event«) der Heuschrecken, Finanzinvestoren und Wagniskapitalfinanzierer. Sie dient der Einwerbung von mehr Geld und nebenbei auch dem Selbstverständnis der Branche. »Super Return« heißt »Superertrag«, und darum dreht sich das Ganze. Mit dem Einsammeln des Geldes der Superreichen haben die Heuschreckenmanager anscheinend kein Problem, sondern damit, das eingesammelte Geld wie versprochen hochprofitabel einzusetzen. Die Unternehmensberatung PWC (Pricewaterhousecoopers) schätzt, dass mehr als eine Billion Dollar zur Übernahme von Unternehmen bereitstehen. Der schwedische Heuschreck EQT schätzt diese Summe sogar auf 1,7 Billionen Dollar. Wie auch immer, der Anlagedruck ist erheblich und jüngst offensichtlich weiter gewachsen. Da nimmt man es hin, wenn die Renditen nicht mehr ganz das Niveau von vor 2008 erreichen und weicht gern in alternative Anlagemöglichkeiten (zum Beispiel Investitionen in vom Staat bereitgestellte Infrastrukturgeschäfte) aus. Es ist nicht überliefert, ob Worte des Dankes an die in Berlin Regierenden verschickt wurden, weil sie netterweise das Grundgesetz geändert haben, um die Beteiligung Privater am Straßen- und Schulbau zu fördern.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main

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