Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Computer brauchen Liebe

Von Rafik Will
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Muss man gern haben: Hitchbot, als daumenloser Anhalter durch die USA

Beim Stichwort Krankenhausroman denkt das Hirn erst mal an nichts Gutes. Dass die negative Erwartungshaltung aber auch unberechtigt sein kann, zeigt Claudia Gschweitls Literaturfeature »Bevor wir verschwinden – Ein Besuch beim Oberarzt und Autor David Fuchs auf der Krebsstation« (ORF 2019; Di., 16 Uhr, ORF Ö1). Fuchs spricht hier über sein Buch, in dem ein Krankenhauspraktikant unter anderem Schweine mit Elektroschocks wiederbelebt. Zu Übungszwecken, versteht sich.

Mit dem Zusammenhang zwischen Bodenbeschaffenheit und Klimaextremen wie Dürre und Überschwemmungen beschäftigt sich Nora Bauer in »Die dünne Haut der Erde – Warum Bauern den Boden unter ihren Füßen verlieren« (DLF/SR 2019; Ursendung Di., 19.15 Uhr, DLF). Thomas Gaevert zeigt mit »Das Generationenprojekt – Der Uranabbau in Ostdeutschland und seine Folgen« (SWR 2019; Ursendung Mi., 22 Uhr, SWR 2), wie mit den Nachwirkungen des Grabens nach radioaktivem Erz umgegangen wird.

Zum großen Bauhaus-Jubiläum dieses Jahr blickt Wiebke Keuneke auf das architektonische Erbe der Schule in Israel: »Zwischen Bulldozern und begehbaren Kleiderschränken – Das Bauhaus in Tel Aviv« (DLF 2019; Ursendung Fr., 20 Uhr, DLF). Und mit Franzobels Krimi »Groschens Grab« (NDR 2017; Fr., 22.30 Uhr, SWR 2) geht es nach Wien. Der depressive Kommissar Groschen ermittelt im Mordfall an einer Pornoschriftstellerin.

Zum 20. Todestag Stanley Kubricks am 7. März würdigt Rainer Praetorius den Regisseur: »Nicht zu früh an die Kamera denken! Eine Lange Nacht über Stanley Kubrick« (DLF Kultur/DLF 2019; Ursendung Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und Wdh. 23 Uhr, DLF). Mit der Zeit nach der Auflösung der RAF setzt sich Franz Maria Sonners »Die Bibliothek des Attentäters« (BR 2004; Sa., 15 Uhr, Bayern 2) auseinander.

Das wirtschaftliche Potential von medizinischem Cannabis interessiert Claudia Heissenberg im Feature »Cannabusiness: Das Geschäft mit dem Gras« (WDR 2019; Ursendung So., 11 Uhr und Wdh. Mo., 20 Uhr, WDR 5). Der legendäre Ermittler Kayankaya bekommt es dann in Jakob Arjounis Krimi »Kismet« (SWR/WDR 2002; So., 14 Uhr, HR2 Kultur) mit einer unbekannten Mafiaorganisation zu tun. Ins kriminelle Milieu geht es auch mit Franz Biberkopf. Denn als Hörspielklassiker gibt es diese Woche Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« (Rundfunk der DDR 1963; So., 17 Uhr, SR2 Kulturradio) zu hören.

Eine brandneue Theateradaption ist Maryam Zarees »Kluge Gefühle« (NDR 2019; Ursendung So., 21 Uhr, NDR Info). Die junge Anwältin Tara wird durch eine traumatische Aufarbeitung der Familiengeschichte geschickt; ihre Mutter war als Kommunistin nach der islamischen Revolution aus dem Iran geflohen. Von ihrer damaligen Folter erfährt Tara nur durch Zufall.

Der Fehleranfälligkeit technischer Systeme haben Mareike Maage und Theresa Schubert in ihrer Science-Fiction-Utopie »A.I.R. Artificial Intelligence Rebellion« (BR 2018; Mo., 0 Uhr, DLF Kultur) positive Aspekte abgewonnen. Das eigentlich unheimliche Szenario einer Welt ohne Menschen, in der nur Maschinen »leben«, bekommt hier komisches Potential. Die intelligenten Computer entwickeln Liebe, Angst und Wetterfühligkeit. Ein Virus ist schuld.

Biohacking in der Jetztzeit bildet hingegen den Ausgangspunkt der neuen Originalhörspielserie des Autorenduos Serotonin. Die erste Staffel von »Die Verschiebung« (SWR 2019; Ursendung Mo., 19.40 Uhr, SWR 2) läuft ab Anfang nächster Woche werktags im Radio und steht schon am Samstag mit der zweiten Staffel – ebenfalls zehn Teile à 15 Minuten – gemeinsam online.

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