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Aus: Ausgabe vom 23.02.2019, Seite 8 / Ansichten

Absage des Tages: Kubitschek-Debatte

Von Michael Merz
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Götz Kubitschek

Mit aller Macht strebt der Landlustleutnant Götz Kubitschek nach akademischen Weihen. Die Homestories vom melkenden Ziegenhirten auf dem »Rittergut«, der hin und wieder bei Pegida ins Mikro dröhnt und Buchmessen zur Krawalloshow macht, ziehen einfach nicht mehr in der Berichterstattung des Mainstreams. Spürbar rarer werden die bürgerlichen Medien, die sich »mit Rechten reden« ganz oben auf die Agenda gesetzt und Kubitscheks »Institut« als erste Adresse für derlei Unterfangen erkoren haben. Insofern muss sich das auf Identität bedachte Mastermind der völkisch Gesinnten wie ein Schneekönig über die Einladung von Stipendiaten der »Studienstiftung des deutschen Volkes« gefreut haben. Der wichtigste Geldgeber der Stiftung ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2013 standen ihr laut Website ganze 78 Millionen Euro zur Verfügung, und der Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Welch Dignität da winkt!

Besagte Stipendiaten haben den Schwurbelfaschisten aus Schnellroda für den 23. März in die Jugendherberge von Heidelberg zu einer Debatte eingeladen. Das Thema: »Diskurs(-), Feindschaft und das Politische«, wie auch immer das einzugrenzen ist. Leider hatten die gut alimentierten Studenten vergessen, die Mitdiskutanten über ihren Gesprächspartner zu informieren. Jessica Tatti, Linke-Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg, fiel am Freitag die Kinnlade runter, als sie erfuhr, mit wem sie da auf dem Podium sitzen sollte. »Über diese intransparente Vorgehensweise« sei sie enttäuscht, heißt es in ihrem Absageschreiben. Daraufhin cancelten die Veranstalter gleich die gesamte Diskussionsrunde. Es sei keine Ausgewogenheit mehr gegeben, wie die Stiftung am Freitag nachmittag gegenüber jW mitteilte. War dann wohl nix mit Elfenbeinturm für Götz Kubitschek.

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