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Aus: Ausgabe vom 20.02.2019, Seite 10 / Feuilleton

Kochan, Haack

Von Jegor Jublimov

»Und ich lächle im Dunkeln dem Leben«, lautet eine Zeile aus einem Brief Rosa Luxemburgs aus dem Gefängnis. Komponist Günter Kochan waren die Briefe Inspiration für seine Musik für Orchester Nr. 2, die 1987 entstand. Jetzt wäre gerade die Zeit, das Stück wieder aufzuführen, aber die Werke des dreifachen Nationalpreisträgers sind im öffentlichen Leben in den Hintergrund gerückt. Der 1930 in Luckau geborene Künstler, der bei Boris Blacher studierte und Meisterschüler bei Hanns Eisler war, wollte immer »Musik für alle« machen. Vor allem mit seinen Jugend- und Massenliedern für die FDJ ist es ihm in den 50er Jahren gelungen. Damals begann er auch mit Filmkompositionen – heute sind das die Werke von Kochan, die am ehesten noch gehört werden. Konrad Wolfs Debütfilm »Einmal ist keinmal« mit Horst Drinda war 1955 eine der volkstümlichen Musik gewidmete Komödie, in der Kochan ganz Klingenthal zum Klingen brachte. Für den Kostümfilm »Italienisches Capriccio« mit Christel Bodenstein schrieb der junge Meister eine tänzerische, heiter gelöste Orchestersuite mit Anklängen an Prokofjew und Eisler. Seine antifaschistische Kantate »Die Asche von Birkenau« (1965) mit einem Text von Stephan Hermlin und seine Oper »Karin Lenz« (1971) nach einem Libretto von Erik Neutsch wurden im In- und Ausland erfolgreich aufgeführt. Am Freitag jährt sich sein Todestag zum 10. Mal.

Noch in den 80er Jahren konnte es geschehen, dass man von einem Teilnehmer beispielsweise einer sowjetischen Delegation beiseite genommen und gefragt wurde: »Meine Frau möchte unbedingt wissen, was aus dem gutaussehenden Schauspieler Günter Haack geworden ist. Bei uns gab es schon lange keine neuen DEFA-Filme mehr mit ihm!« Da lebte Haack schon seit 20 Jahren nicht mehr. Der heute vor 90 Jahren Geborene war in der DDR und darüber hinaus ein Schwarm junger Mädchen und Frauen, seit er 1955 in dem attraktiven Breitwandfilm »Zar und Zimmermann« nach Lortzing den Peter Iwanow gespielt hatte. Hauptrollen in Filmen wie »Vergesst mir meine Traudel nicht« (1957) und »Drei Kapitel Glück« (1961) folgten. Waschkorbweise erhielt er Autogrammpost, und wer Antwort bekam, konnte nicht sicher sein, dass Haack wirklich selbst unterschrieben hatte. In seinen Erinnerungen gesteht Winfried Glatzeder, dass er seinem Nachbarn Günter beim Signieren der Fotos geholfen hat. Leider war Haack recht leichtlebig. Stark alkoholisiert baute er einen tödlichen Unfall und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, die er im Uranbergbau ableistete. Anschließend konnte er vor allem im DFF an seine vorherigen Erfolge anknüpfen, aber er wurde nur 36 Jahre alt. Als Mitfahrer kam er bei einem schweren Autounfall ums Leben, blieb jedoch als fröhlicher, jungenhafter Lebenskünstler in guter Erinnerung.

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