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Aus: Ausgabe vom 11.02.2019, Seite 2 / Inland
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte

Warnung vor neuem Faschismus

Traditionelle Kundgebung am Ort der Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals
Von Arnold Schölzel
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Gedenkkundgebung an der ehemaligen Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals (12.3.2017)

Etwa 100 Menschen versammelten sich am Sonntag bei widrigem Wetter zur traditionellen Kundgebung am früheren Ort der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals bei Berlin. Dort hatte am 7. Februar 1933 eine illegale Tagung des Zentralkomitees der KPD stattgefunden, um über den Kampf gegen die kurz zuvor in Deutschland errichtete faschistische Diktatur zu beraten. Der Parteivorsitzende Ernst Thälmann hielt dort eine programmatische Rede. Der Tagungsort am Krossinsee, das »Sporthaus Ziegenhals«, überstand den Krieg, wurde 1953 von der DDR als Gedenkstätte eingerichtet und nach 1990 von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (vorsitzender Geschäftsführer von 1997 bis 2000 Thilo Sarrazin, der persönlich mit der Angelegenheit befasst war) für Bodenspekulanten freigegeben. 2002 erhielt ein aus Bayern importierter hoher Beamter des brandenburgischen Bau­­ministeriums für einen Spottpreis den Zuschlag. Auf bis heute ungeklärte Weise wurde danach das Denkmalschutzgesetz des Landes verändert und die Gedenkstätte 2010 abgerissen. Seit 2013 erinnert ein Gedenkstein an dieses Stück aus dem Tollhaus des staatlich verordneten Antikommunismus.

Der Sprecher des »Freundeskreises Ernst-Thälmann-Gedenkstätte«, Max Renkl, eröffnete die Kundgebung mit einer Erinnerung an die Hauptforderungen der KPD nach ihrer Gründung 1919 und forderte dazu auf, heute »gegen die Rechtsentwicklung zusammenzustehen«. Der Schauspieler und Gewerkschafter Rolf Becker begann seine Ansprache mit einem Zitat aus Brechts »Lob der Dialektik« von 1930/31: »Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre«, und fügte hinzu: »Aber die Unterdrückten waren uneinig«. Brecht und Thälmann hätten damals vergeblich vor dem Faschismus gewarnt, dessen Folgen in Form von Unwissenheit und Unbelehrbarkeit bis heute reichten. Becker dankte allen, die einen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte leisten, das helfe »gegen heutige Anläufe zum Faschismus«.

Ähnlich hieß es in einem abschließend verlesenen Grußwort des Bundesvorstandes der Roten Hilfe, allen historischen Lehren zum Trotz erhielten »Rechte und Faschisten erneut Zulauf«, werde Antifaschismus diskriminiert und kriminalisiert. Es sei nötig, Widerstand über alle Grenzen hinweg zu leisten.

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