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Aus: Ausgabe vom 09.02.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Buntes Gemisch

Zu jW vom 30.1.: »Auf dem Weg ins Parlament«

Es stimmt nicht, dass die »Gelbwesten«-Bewegung insgesamt bei der EU-Wahl antreten will. Am 26./27. Januar fand in Commercy eine Versammlung von Delegierten aus ganz Frankreich statt, wo ausdrücklich gesagt worden ist, dass sie nicht zur Wahl antreten wollen, sondern unabhängig bleiben möchten. Insgesamt muss man feststellen, dass sich unter »den« Gelbwesten unheimlich viele verschiedene Gruppierungen befinden, die alle gelbe Westen tragen. »Die« Gelbwesten gibt es demnach so gar nicht, da sie ein äußerst buntes Gemisch sind.

Alain Charlemoin, per E-Mail

Butter vom Brot

Zu jW vom 5.2.: »Heiko Maas im Labyrinth«

Es sind sicherlich nicht nur wirtschaftliche Gründe, die deutsche Politiker veranlassen, in Venezuela mit zu zündeln. Mit ihren brandgefährlichen Möchtegern-Großmachtplänen wollen sie endlich wieder in der Welt mitmischen. Und dazu gehört neben kriegsvorbereitender Aufrüstung allemal die Inszenierung völkerrechtswidriger Regime-Changes mit den üblichen Mitteln Destabilisierung, Bürgerkrieg, Chaos, wenn es den imperialen Interessen dient. Uncle Sam wird sich allerdings von seinen Lehrlingen nicht die Butter vom Brot – bzw. das venezolanische Öl – nehmen lassen.

Dieter Reindl, Nürnberg (per Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Vorbild Italien?

Zu jW vom 6.2.: »Abgeschrieben«

»Glücklicherweise folgt Italien nicht der Linie der ehemaligen europäischen Kolonialmächte. Ein Denkanstoß aus dem eigenen Lager«, zitiert die jW einen Kommentar des Deutschlandfunks. Aber worin besteht der »Denkanstoß« eigentlich? Ja, ein Land kann sich gegen die USA stellen – zehn von 29 EU-Ländern haben das faktisch irgendwie getan. Darunter Italien. Aber Deutschland? Wären dazu erst der fast komplette Zerfall des bisherigen Parteiensystems und der Aufstieg einer rechts- und einer linkspopulistischen Partei und deren »widernatürliche« (…) Koalition notwendig? Etwa zwischen einer »Aufstehen«-Partei und einer AfD, die von Nationalisten, Nazis und NATO-»U-Booten« gereinigt wäre? Ist derartiges überhaupt denkbar? Und irgendwem noch zumutbar? Eher nicht. In anderen Ländern: ja. Die griechische Syriza – die allerdings die NATO nie in Frage gestellt hat – war lange im Bündnis mit der nationalreaktionären Anel-Partei, bis dieses am mazedonischen Namensstreit zerfiel. Die Koalition aus Lega und den »Fünf Sternen«, die jetzt Italien regiert, ist etwas Ähnliches. Fest steht: Mit den vorherigen Parteien inklusive der völlig NATO-treuen »Linkspartei« Partito Democratico wäre ein »Nein zur Einmischung in Venezuela« nicht erreichbar gewesen.

Volker Wirth, Berlin

Neue Taktik

Zu jW vom 6.2.: »Guaidós Zeit läuft ab«

Nachdem in den Medien tagelang der Putschversuch der USA in Venezuela verteidigt und für Rechtens erklärt worden waren, trat nun urplötzlich Funkstille ein. (…) Was war geschehen? Da anscheinend die amerikanische Marionette Juan Guaidó keinen Zulauf mehr bekam und das Militär nicht zum Seitenwechsel bereit war, hatte der selbsternannte »Präsident« seine Schuldigkeit getan, und man ging zu einer anderen Taktik über: Wenn man das Militär nicht gewinnen kann, versucht man es mit dem Volk. Die sogenannte Lima-Gruppe stellt »Hilfsgüter« für Venezuela bereit; damit will man sich aber keineswegs verausgaben, die dafür veranschlagte Summe ist lächerlich im Vergleich mit den staatlichen Sozialausgaben. (…) Diese »Hilfsangebote« sind verlogen und zynisch angesichts der jahrelangen Sanktionen, die die ökonomische Lage im Land ständig verschlechtert haben. Auch die Manipulation des Ölpreises trug dazu bei. Das Volk Venezuelas weiß aber sehr wohl, was bei einem Regime-Change auf dem Spiel stünde, es lässt sich nicht erpressen, nicht durch Drohungen, nicht durch Sanktionen oder sogenannte »Hilfsgüter«. Das zeigt die riesige Menschenmenge, die für den gewählten Präsidenten Nicolás Maduro am 2. Februar auf die Straße ging (…).

Eva Ruppert, Bad Homburg

Konterrevolution

Zu jW vom 6.2.: »Abgeschrieben«

Meiner Ansicht nach geht es bei dem Konflikt in und um Venezuela (…) nicht vorrangig um Ressourcen, sondern um Macht und Privilegien der traditionellen Eliten. (…) Um der historischen und politischen Ehrlichkeit willen sollten wir aufhören, den traditionellen Begriff der »Konterrevolution« zu verschleiern, indem wir den Konflikt zwischen Arm und Reich als »Streit zwischen Regierung und Opposition« oder als »Kampf um Rohstoffe« darstellen, weil sonst niemand begreift, warum dieser Kampf mit solcher Heftigkeit und Brutalität geführt wird, jedoch letztlich unvermeidlich ist, wenn wir wirklich einmal in einer gerechten Gesellschaft leben wollen.

Ludwig Schönenbach, per E-Mail

Deprimierendes Schweigen

Zu jW vom 5.2.: »Kaufhof spart am Personal«

Ich bin Mitarbeiter der Galeria-Logistik und natürlich zutiefst erschüttert über die Weise, wie mit den Kollegen der Hauptverwaltung und in den Verkaufshäusern umgegangen wird. Menschen, die mitunter Jahrzehnte im Unternehmen beschäftigt sind und alles für die Firma gegeben haben, werden sprichwörtlich mit einem »Arschtritt« hinausbefördert, und die, die das ganze Desaster zu verantworten haben, wurden noch mit Abfindungssummen belohnt, in einer Höhe, wie sie ein normaler Mitarbeiter in seinem ganzen Berufsleben niemals verdienen wird. Wir in der Logistik stellen uns aber auch die Frage: Was wird mit uns passieren? Man bekommt keinerlei Information, in der Presse liest man nur über die Hauptverwaltung und die Verkaufshäuser – sind wir nicht interessant genug? Auch bei uns gibt es Leute, die um ihre Existenz und Zukunft bangen. Es wäre schön, auch mal Berichte über die Kaufhof-Logistik in der Presse zu lesen und das Gefühl zu bekommen: »Hey, man interessiert sich ja doch für uns und unsere Probleme!«

N. N. (Name der Redaktion bekannt)

Mit ihren Großmachtplänen wollen deutsche Politiker endlich wieder in der Welt mitmischen. Dazu gehört neben Aufrüstung die Inszenierung von Regime-Changes.