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Aus: Ausgabe vom 09.02.2019, Seite 8 / Abgeschrieben

»Wir existieren, und wir sind Millionen«

Venezuelas Präsident Maduro schreibt an das Volk der USA und der deutsche Botschafter an den Putschisten Guaidó

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro richtete am Freitag einen »Brief an das Volk der USA«:

Wenn ich etwas kenne, dann sind es Völker, denn ebenso wie Ihr bin ich ein Mann aus dem Volk. Ich wurde in einem Armenviertel von Caracas geboren und wuchs dort auf. Ich reifte in der Hitze der gewerkschaftlichen und Volkskämpfe in einem Venezuela, das Ausgrenzung und Ungleichheit unterworfen war. Ich bin kein Magnat. Ich bin mit Herz und Verstand ein Arbeiter, der heute das große Privileg hat, Präsident des neuen Venezuela zu sein, das in einem Modell inklusiver Entwicklung und sozialer Gleichheit wurzelt, das der vom bolivarischen Erbe inspirierte Comandante Hugo Chávez ab 1998 vorangetrieben hat.

Wir erleben heute einen historisch kritischen Augenblick. Es sind Tage, die die Zukunft unserer Länder zwischen Krieg und Frieden entscheiden werden. Eure nationalen Repräsentanten in Washington wollen an unsere Grenzen denselben Hass tragen, den sie in Vietnam gesät haben. Im Namen der Demokratie und Freiheit – sagen sie so, wie sie es damals sagten – wollen sie Venezuela überfallen. (…) Es mag einem unsere Ideologie oder unser Aussehen nicht gefallen, aber wir existieren, und wir sind Millionen.

Ich richte diese Worte an das Volk der Vereinigten Staaten von Nordamerika, um es vor der gravierenden Gefahr zu warnen, dass einige Abteilungen im Weißen Haus Venezuela überfallen wollen, was für mein Heimatland und die gesamte amerikanische Region unabsehbare Folgen hätte. (...)

Dem Volk Venezuelas wurden durch eine verbrecherische Handels- und Finanzblockade schmerzhafte Verletzungen zugefügt. Dieser schwachsinnige Angriff wurde durch den Raub unserer Finanz- und Sachmittel in anderen Ländern noch verschärft. (…)

Wir wollen weiter Handelspartner des Volkes der Vereinigten Staaten sein, wie wir es in unserer Geschichte immer gewesen sind. Eure Politiker in Washington dagegen sind bereit, Eure Söhne und Töchter zum Sterben in einen absurden Krieg zu schicken, anstatt das heilige Recht des venezolanischen Volkes auf Selbstbestimmung und die Bewahrung seiner Souveränität zu respektieren.

Der deutsche Botschafter in Venezuela, Daniel Kriener, richtete einen Brief an den »geehrten Herrn Interimspräsidenten« Juan Guaidó:

In Vertretung der Bundesrepublik Deutschland freut es mich, Ihnen die Worte der Anerkennung Ihrer Vereidigung als Interimspräsident der Regierung der Bolivarischen Republik Venezuela zu übermitteln.

In voller Entsprechung seiner demokratischen Berufung erklärt Deutschland auf diese Weise seine Entscheidung, einen politischen und friedlichen Prozess zu begleiten, der in der Lage ist, die demokratische Ordnung, den Rechtsstaat und die Legitimität der Institutionen in Venezuela wiederherzustellen. In derselben Weise drücken wir mit dieser Anerkennung unseren Wunsch aus, dass das Leiden des venezolanischen Volkes beendet wird, dessen verletzbarste Schichten etwas durchleben, was bereits als komplexer humanitärer Notstand zu bewerten ist.

Die Hoffnung auf einen Neuanfang für Venezuela ist verbunden mit der einzigen demokratisch legitimierten Institution des Landes, der Nationalversammlung, und Ihnen als ihr Präsident. Deshalb vertrauen wir darauf, dass Ihre Vereidigung als Interimspräsident der Republik dazu beitragen wird, dass die Venezolanerinnen und Venezolaner durch einen politischen Prozess, den Sie anführen müssen, frei und gerecht über ihre Zukunft entscheiden können. (...)

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