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Aus: Ausgabe vom 09.02.2019, Seite 8 / Ansichten

Trutzburg des Tages: BND-Neubau

Von Sebastian Carlens
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Berlin kann nicht bauen? So ein Unfug. Wenn es sein muss, dann klappt es, selbst in gigantomanischen Dimensionen. Auf 260.000 Quadratmetern hat sich der Auslandsgeheimdienst BND in der Mitte der Hauptstadt eingenistet. Großmannssucht in nackten Zahlen: eine Grundfläche von 36 Fußballfeldern, 5.200 Räume mit 14.000 Fenstern, mehr als 130.000 Kubikmeter Beton, rund 20.000 Tonnen Stahl. Die Kosten für Bau und Umzug laut dpa: 1,1 Milliarden Euro.

Man kann und muss sich darüber aufregen, dass hier die Steuern versenkt werden, während den Berliner Kindern buchstäblich die Schul­decke auf den Kopf fällt, der Flughafen nie fertig wird und die S-Bahn nur noch für Witze unter Berufspendlern taugt. Aber nicht heute und nicht hier. Betrachten wir lieber ein kurioses Detail dieses Baus:

Er ist nämlich in einer künstlichen, fünf Meter tiefen Senke errichtet worden, umgeben von Wassergräben und Wällen. So solle »ebenerdiger Zugang« erschwert werden, heißt es. Bislang saß der BND im bayrischen Pullach in einer alten NS-Modellsiedlung. Da hielt sich über viele Jahre das Gerücht unter Anwohnern, dass das im Wald verborgene Gelände eine geschlossene Psychiatrie beherberge. Nun, mitten in der Hauptstadt, ist der Geheimdienst exponiert. Vor wem sollen Zinnen und Gräben schützen?

Vor dem Russen etwa? Der hat Berlin schon dreimal erobert, und mittelalterliche Burgwälle haben ihn dabei noch nie aufgehalten. Dann vielleicht vor dem Amerikaner? Der dürfte genug BND-Leute auf den eigenen Gehaltslisten haben, um eine Eroberung unnötig zu machen. Bleibt: Das eigene Volk. Vielleicht klappt ja, im Gegensatz zum (1990 vom BND inszenierten) »Sturm auf die Normannenstraße«, der MfS-Zentrale, mal eine echte Rückeroberung des städtischen Raumes. Vorschlag für die Nachnutzung: Stadion der Weltjugend. Gab’s schon mal, war eine feine Sache.

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