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Aus: Ausgabe vom 09.02.2019, Seite 5 / Inland
Krankenhäuser

Hohe Streikbeteiligung in Leipzig

Herzzentrum und Parkklinik zahlen weit unter TVÖD-Niveau. Mindestens 500 Kollegen im Ausstand
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Streiks an Krankenhäusern in der ganzen Republik. Protest von Charité-Beschäftigten am 18.9.2017 in Berlin

Etwa 1.900 nichtärztliche Beschäftigte arbeiten an der Herzzentrum GmbH und der Helios Park-Klinikum GmbH in Leipzig. Zwischen 500 und 600 Angestellte haben am Donnerstag gestreikt. Damit war die Streikbereitschaft sehr hoch. Die Patientenversorgung wurde per Notdienstvereinbarung sichergestellt, sagte Andreas Menzel von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) am Freitag gegenüber jW. Der letzte Streik liege etwa zehn Jahre zurück.

Seit November 2018 laufen in beiden Häusern Tarifverhandlungen. In den letzten vier Verhandlungsrunden gab es kein Ergebnis. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten des Herzzentrums eine Erhöhung des Entgelts um zehn Prozent rückwirkend zum 1. Januar 2018, für die Beschäftigten des Park-Klinikums für 2018 ebenfalls um zehn Prozent und weitere zehn Prozent für das Jahr 2019.

Das Herzzentrum und das Park-Klinikum haben jeweils einen eigenen Haustarifvertrag. Im Vergleich zum Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) liegen die Einkommen, unter Berücksichtigung der dort bereits verhandelten Steigerungen, deutlich unter dem Niveau des TVöD. Ohne eine deutliche Tariferhöhung würde eine Krankenschwester spätestens im Jahr 2020 im Herzzentrum ca. 400 Euro pro Monat und im Park-Klinikum sogar ca. 550 Euro weniger verdienen als im TVöD festgelegt, erklärte Verdi am Dienstag.

»In keiner der Verhandlungen war der Arbeitgeber bereit nachzuweisen, dass unsere Forderungen nicht umsetzbar wären. Wir gehen demnach davon aus, dass die wirtschaftliche Lage beider Häuser eine entsprechende Tarifsteigerung erlaubt. Ich sehe keinen ersichtlichen Grund, warum wir von unseren Forderungen abweichen und die Beschäftigten weiterhin auf die Lohnangleichung warten sollten«, erklärte der gewerkschaftliche Verhandlungsführer Bernd Becker am Dienstag.

Den Beschäftigten des Herzzentrums werde eine Lohnerhöhung von real sechs Prozent angeboten. Den Angestellten der Parkklinik habe man die Übernahme der Entgelttabelle des Herzzentrums angeboten, allerdings der von 2017, erklärte Menzel. Bei einer Laufzeit bis 2020 sollten nach dem Wunsch der Geschäftsführung 7,5 Prozent der zehnprozentigen Entgelterhöhung erst in den letzten zwei Monaten der Vertragslaufzeit erfolgen. Beide Häuser machen Gewinne, so Menzel. Helios veröffentlicht zwar keine Zahlen, verteidigt die Gewinnorientierung aber auf seiner Homepage. Laut dem Statistikportal Statista hat das Unternehmen im Jahr 2017 728 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Und so gilt, was Landesfachbereichsleiter Becker bereits vor dem Streik sagte, auch danach: »Wenn wir jetzt nicht am Ball bleiben und Anschluss halten, stehen wir bald praktisch wieder am Anfang.« Die Beschäftigten beider Häuser seien jeden Tag mit vollem Engagement für die Patienten da. Es gebe keinen Grund, ihnen weiterhin eine Angleichung zu verwehren. Die Kapitalseite möchte jedenfalls weiterverhandeln, wozu Verdi bereit ist. Die Gespräche werden am kommenden Mittwoch fortgesetzt. (jW)

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