Gegründet 1947 Sa. / So., 16. / 17. Februar 2019, Nr. 40
Die junge Welt wird von 2161 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 07.02.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Auto und Rüstung

Zu jW vom 10.1.: »Deutschland einig Autoland«

(…) Die Konzentration auf das Thema »Auto« bewirkt bei diesem Artikel eine Vernachlässigung mancher »Nebenaspekte«. (…) Die heutigen und nicht zu kleinen Rüstungssparten der Autofirmen, ihr Anteil am Profit, Verflechtungen mit anderen Rüstungskonzernen und ihr Einfluss auf Medien und Regierung werden kaum angesprochen. Manche Menschen schütteln den Kopf und verstehen nicht, warum die Regierung der BRD so »demütig« Trumps Befehl zur Erhöhung der Rüstungsausgaben befolgt. Ohne Kenntnis des Anteils der deutschen (Auto-)Industrie an der Rüstungsproduktion ist das auch kaum zu begreifen. Genau darin aber läge die Aufgabe der Redaktion. Statt einen ansonsten präzisen Artikel mit einem riesigen Bild ohne Aussagewert zu »schmücken«, hätte der Platz für entsprechende Hintergrundinformationen genutzt werden sollen. (…)

Otto Kustka, Litschau/Österreich

Nachdenken steht aus

Zu jW vom 1.2.: »Knüppel und Granaten«

Von »zahlreichen Schwerverletzten« ist in dem Artikel die Rede. Konkret weiß man aber von nicht weniger als 123 »Gelbwesten«, die bis zum 26. Januar der Brutalität der französischen »Ordnungskräfte« zum Opfer gefallen sind; darunter – neben einer Toten – vier Personen mit zerfetzter Hand, zwanzig, die ein Auge verloren haben, und eine, die das Gehör verloren hat. (…) Es drängt sich die Frage auf: Wie kommt es, dass sich in Deutschland die meisten linken Stimmen in Sachen »Gelbwesten« bisher merkwürdig bedeckt halten? (…) Ein gründliches Nachdenken über die Lehren aus den französischen Ereignissen, »dem ersten richtigen Volksaufstand in Westeuropa seit 1945« (jW vom 31.1.), steht noch aus.

Rolf Jüngermann, Gelsenkirchen (per Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Besondere Beziehung

Zu jW vom 2./3.2.: »›Druck zeigt offensichtlich Wirkung‹«

Wolfgang Gehrcke ist mit Recht der Meinung, dass die Linke aus der Geschichte lernen soll. Dabei nennt er die von Deutschland ermordeten sechs Millionen Juden. Das verlange nach einem besonderen Verhältnis zu – nein, nicht zu den Juden, sondern zu Israel. Und das ist fatal. Denn Israel ist heute ein aggressiver, die Menschenrechte und die UN-Beschlüsse missachtender Staat. Israel ist der kleine Imperialist im Dienste des großen im Nahen Osten, bewaffnet mit Atombomben. Und Israel ist ein Apartheidstaat und ein Unruheherd, ein Feind des Friedens. Und zu dem Staat soll Deutschland eine besondere Beziehung unterhalten? Ich finde, es soll zu den Juden eine besondere Beziehung unterhalten, auf dass niemals mehr ein Völkermord von Deutschland aus angezettelt wird. Die Beziehung zum Staat Israel sollte gerade darum revidiert werden.

Paul Jud, Stühlingen

Konzertierte Aktion

Zu jW vom 4.2.: »Keine Grenzen gesetzt«

(…) Seit Monaten wird eine konzertierte Aktion gegen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge betrieben, bei der CDU/CSU, AfD, Bild, Fake-News-Portale und seit neuestem sogar die ARD mit den Lungenärzten im Schlepptau ganz vorne mit dabei sind. Die Geschädigten des »Dieselgate« (Käufer und Fahrer sowie Schadstoffexponierte) werden gegeneinander aufgehetzt. (…) Aber die Demonstranten gehen gegen die Falschen auf die Straße, und zwar gegen die Deutsche Umwelthilfe und sauber arbeitende Behörden. Denn diese halten sich an Recht und Gesetz, während man das nicht sagen kann von der Automobilbranche und ihren Helfern wie Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Sie wollen nun die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte nach unten drücken und propagieren faktisch weiteren Betrug. (…) Die Demonstranten sollten sich von Autoindustrie und Politik nicht missbrauchen lassen. Ihnen ist zu empfehlen, gegen die eigentlichen Verursacher der Fahrverbote zu protestieren: Vor den Konzernzentralen der Autofirmen (…) protestierten sie an der richtigen Stelle.

Conrad Fink, Freiberg a. N.

Spielzeug für Reiche

Zu jW vom 4.2.: »Marxistische Blätter: Autowahn und Monopolkapital«

Karl Friedrich Benz soll einmal gesagt haben, dass das Auto wohl ein Spielzeug für Reiche bleiben werde. Ganz unrichtig ist das nicht, denn Autos sind bis heute die ineffizienteste, aufwendigste und teuerste Art der Mobilität: Wenn Sie für 100 Euro Benzin in den Tank füllen, fährt Ihr Auto für 20 Euro, und für 80 Euro wird die Umgebung erwärmt – eine Heizung auf Rädern. Wenn Sie sich selbst im Auto befördern, beträgt das Gewicht des Fahrzeugs das Zehn- bis 20fache des Körpergewichts. Fahren Sie Fahrrad, wiegt das Fahrzeug etwa ein Fünftel des Körpergewichts. Wenn Sie sich ein Auto für – sagen wir – 12.000 Euro kaufen, das zehn Jahre lang fahren soll, kostet das pro Monat 100 Euro. Für 100 Euro kaufe ich eine Monatskarte des Verkehrsverbundes und kann außerdem zwei- bis dreimal Taxi fahren. Ein Auto jedoch braucht noch Treibstoff, eine Versicherung, kostet Steuern, Parkgebühren, muss gewartet und repariert werden. (…) Wenn wir uns schließlich bewusst machen, dass Abgase produziert werden, die andere einatmen müssen, und dass diese Art der Mobilität jeden Tag zwölf Verkehrstote fordert, wird klar, dass Karl Benz wohl recht gehabt hat.

Axel Georges, per E-Mail

Gegen Recht und Vernunft

Zu jW vom 4.2.: »Warnung vor Krieg«

US-Präsident Donald Trump spricht zum wiederholten Male von einer militärischen Option zum Sturz Nicolás Maduros, der mit 67,8 Prozent der Stimmen gewählt wurde (…). Außenminister Heiko Maas (SPD) formuliert gemeinsam mit seinen EU-Kollegen ein nicht erfüllbares Ultimatum an den venezolanischen Staatschef, das voll im Widerspruch zum Friedensgeist der UNO steht. China, Russland und mehrere Länder Lateinamerikas stellen sich gegen den Putsch. Wo bleibt für die deutsche Regierung das Verfassungsrecht Venezuelas? Wo die Vernunft?

Günter Buhlke, Exhandelsrat in Caracas

Die Demonstranten gehen gegen die Falschen auf die Straße. Vor den Zentralen der Autokonzerne würden sie an der richtigen Stelle protestieren.