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Aus: Ausgabe vom 31.01.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Fieser Doktor

Familie Dr. Kleist | Di., 18.50, ARD
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Sehen möglicherweise bloß nett aus: Dr. Kleist nebst Lebenspartnerin

Achim hat Bauschmerzen. Er braucht nur ein bisschen Ruhe, denkt er. Von wegen. Familie Dr. Kleist sitzt am großen Tisch und unterhält sich – die Kinder sind dabei – über Totenscheine und verborgene Morde. Über was man so redet in Arztfamilien. Achims Bauch geht’s derweil schlechter, au-weia, Dr. Kleist betastet fachmännisch und zieht ein sorgenvolles Gesicht. Die Spannung steigt weiter. Irgendwann fliegt dem armen Achim Geschirr um die Ohren und schlitzt ihn blutig. Seine Frau hat’s geworfen. Auch die hat Probleme.

Am Ende wird sich alles in Wohlgefallen aufgelöst haben, sogar in dieser Arztserie, obwohl die Hauptrolle Francis Fulton Smith spielt, der selbst, wenn er glänzende Laune mimt, so ausschaut, als würde er gleich leer drehen, als würde ihm in der nächsten Sekunde »die Hand ausrutschen«, wie mein Vater bisweilen zu sagen pflegte. »Wir Menschen sehen selten, was tatsächlich ist, sondern das, was wir sehen wollen«, heißt es später. Allerdings nicht über den fiesen Doktor. Passt trotzdem. (msa)

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