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Modell Ponomarew

Von Marek Lantz
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Und den will ich auch: Der Präsident des KFC Uerdingen 05, Michail Ponomarew, erwägt einen Einstieg beim 1. FC Kaiserslautern

Am kommenden Wochenende beginnt die Rückrunde des institutionalisierten drittklassigen Kickwesens, fünf Teams balgen sich um den Aufstieg. Nur sechs Zähler trennen Herbstmeister VfL Osnabrück und die aktuell fünftplazierte SpVgg Unterhaching. Hinter dem bayrischen Exbundesligisten klafft dann jedoch schon eine größere Lücke. Einziger Ostvertreter im Spitzenquintett ist als Tabellenvierter der Hallesche FC, der am Sonnabend bei Fortuna Köln antreten muss. »Wir müssen besser sein als in der Vorrunde«, fordert HFC-Coach Torsten Ziegner, nimmt dabei jedoch das Wörtchen »Aufstieg« nicht in den Mund. Im türkischen Belek übte man für eine Woche, kehrte aber zur Generalprobe am Wochenende wieder in hiesige Gefilde zurück. Mit einem 4:2 bei Regionalligatabellenführer Chemnitzer FC gestaltete der HFC diese positiv, Angreifer Ma­thias Fetsch traf dreimal. Einer ihrer Schlüsselspieler wird den Hallensern jedoch lange fehlen. Sebastian Mai zog sich im Trainingslager einen Innenbandriss zu.

Im Aufstiegsrennen mischt auch Michail Ponomarew kräftig mit, mit dem das Modell Roman Abramowitsch nun auch im hiesigen Profifußball ankommt. Einst bei der russischen Öl-Company Tatneft, hat Ponomarew vor ein paar Jahren den Geschäftssitz seiner Energy Consulting Europe GmbH nach Düsseldorf verlegt. Sportsponsoring scheint sein großes Steckenpferd: Unter anderem bei Borussia Düsseldorf (Tischtennis) sowie den Eishockeyklubs Düsseldorfer EG und Krefeld Pinguine hatte oder hat er seine Finger im Spiel. Zudem steht er im Fußballbusiness als Investor und inzwischen auch Präsident dem aktuell einen Punkt vor dem HFC liegenden Tabellendritten KFC Uerdingen vor. Momentan spaltet die Personalie Ponomarew jedoch einen ganz anderen Drittligisten. Dem Traditionsklub 1. FC Kaiserslautern fehlen zwölf Millionen Euro um, die Lizenz für die kommende Saison zu sichern. Bei der Investorensuche hat sich nun der Aufsichtsrat der im Drittliganiemandsland dahintrudelnden Pfälzern zerstritten. Drei der fünf Räte, darunter federführend Michael Littig, der Kreisvorsitzender der örtlichen CDU ist und auf den Bürgermeistersessel Kaiserslauterns schielt, präferieren einen Einstieg Ponomarews und trieben diesen zuletzt eigenmächtig voran. Der Aufsichtsratsvorsitzende Patrick Banf, der andere Finanzierungswege sucht, steht daher kurz vor der Ablösung.

Ponomarew dementiert zwar bislang seinen bevorstehenden Einstieg, doch nach »gesicherten Informationen« des SWR habe er den drei Aufsichtsräten gegenüber eine Absichtserklärung abgegeben. Laut Statuten von DFB und DFL darf ein Investor jedoch nicht bei zwei Profiklubs größeres Mitspracherecht haben. Maximal 9,9 Prozent der FCK-Anteile könnte Ponomarew laut SWR übernehmen. Beim selbst festgelegten Vereinswert von 120 Millionen entspräche dies genau der Etatlücke.

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