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Aus: Ausgabe vom 22.01.2019, Seite 8 / Ansichten

Zahlenjongleur des Tages: Philip Plickert

Von Simon Zeise
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Philip Plickert

Den Kapitalisten ist die von ihnen produzierte Armut lästig. Die von Oxfam geschilderte Ungleichheit sei ein »Dauerlamento der Hilfsindustrie«, ätzte Wirtschaftsredakteur Philip Plickert in der FAZ vom Montag. Die Organisation hatte unter anderem hervorgehoben, dass die Einkommen der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung 2018 um elf Prozent gesunken seien.

Plickert ließe die Fakten lieber unter den Tisch fallen. Dann könnte der Yuppie sich die Zukunft in den schillerndsten Farben ausmalen. Den »PR-Profis von Oxfam« sei nur daran gelegen, »Schlagzeilen zu kreieren«. Sie unterschlügen, dass »die Welt in den vergangenen Jahrzehnten beachtliche Erfolge in der Armutsbekämpfung erzielt« habe. Hunderte Millionen Inder und Chinesen seien aus bitterarmen Verhältnissen in die Mittelschicht aufgestiegen, an der Spitze hätten es einige sogar zu Milliardären gebracht. In der Volksrepublik aber nur deshalb, weil sie sich auf den teuflischen Staat eingelassen hätten. Doch Plickert kennt die Formel des Erfolges: »In Marktwirtschaften und Rechtsstaaten hingegen werden Unternehmer nur dann reich, wenn sie Produkte anbieten, die Kunden gefallen. Das ist kein Skandal.« Viel schlimmer wiege, »dass in Teilen der Welt, etwa in Afrika oder im Nahen Osten, derart korrupte und inkompetente, oft auch sozialistische Regierungen sitzen, die ihre Länder dauerhaft arm halten«. Das müsse man anprangern.

Um sich seiner Sache wirklich sicher zu sein, hat Plickert seine Kumpels aus den Wirtschaftsinstituten angerufen. Andreas Peichl vom unternehmernahen Münchner Ifo-Institut tröstete ihn umgehend: »Es stimmt auf jeden Fall nicht, dass die Armen immer ärmer werden, weil die Reichen reicher werden.« Dass die Vermögen der unteren Hälfte so zurückgegangen sein sollen, »entspricht nicht der makroökonomischen Realität«.

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