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Aus: Ausgabe vom 22.01.2019, Seite 7 / Ausland
Israel in Syrien

Angriff auf Verdacht

Israels Armee attackiert Ziele in Syrien. Luftabwehr zerstört mehr als 30 Raketen
Von Karin Leukefeld
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Israelische Erinnerungskultur: Metallsoldaten auf dem Berg Bental in den von Israel besetzten Golanhöhen mit Blick auf Syrien (21.1.2019)

In der Nacht zu Montag haben die israelischen Streitkräfte (IDF) einen der schwersten Angriffe der letzten Wochen auf Syrien verübt. Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte die syrische Luftabwehr sieben »feindliche Raketen« abgeschossen, die von israelischen Kampfjets im libanesischen Luftraum abgefeuert worden waren. Die IDF-Führung gab an, iranische Waffendepots und Ausbildungslager in Syrien zerstört zu haben. Beweise dafür gibt es nicht.

Anwohner von Damaskus berichteten gegenüber jW von schweren Explosionen und Erschütterungen in der Stadt. Der Angriff habe sich am frühen Morgen ereignet. Bewohner von westlichen Vororten sprachen von »beängstigenden« Angriffen, die mehr als eine halbe Stunde gedauert hätten. Er habe »Raketen überall am Himmel« gesehen, so der Telefontechniker Rami M., viele seien direkt über seinem Wohnviertel von der Luftabwehr zerstört worden.

Das russische Verteidigungskontrollzentrum in Moskau bestätigte, dass die syrische Luftabwehr »mehr als 30 israelische Cruise Missiles und Lenkraketen« zerstört habe. Drei Luftangriffe auf Syrien seien »vom Westen, Südwesten und Süden« aus verübt worden. Vier syrische Soldaten seien demnach dabei getötet, sechs weitere verletzt worden. Zudem seien »Teile der Infrastruktur des internationalen Flughafens von Damaskus beschädigt« worden.

In ungewohnter Offenheit bestätigte ein Sprecher der IDF den Angriff. Dieser sei angeblich als Vergeltung für einen syrischen Raketenangriff auf die von Israel besetzten Golanhöhen erfolgt. Die Rakete sei über einem Wintersportgebiet in den nördlichen Golanhöhen vom israelischen Luftabwehrsystem »Eiserne Kuppel« abgefangen worden. Man habe daraufhin »militärische Einrichtungen der (iranischen) Al-Kuds-Brigaden in Syrien« angegriffen, darunter »Waffenlager im Umland des internationalen Flughafens von Damaskus, ein iranisches Geheimdienstzentrum, ein iranisches Ausbildungslager«, so die IDF. Obwohl die syrische Luftabwehr »unmissverständlich« aufgefordert worden sei, das Feuer nicht zu erwidern, seien Dutzende syrischer Luftabwehrraketen abgefeuert worden. Israel habe während des Angriffs den »Kommunikationskanal mit dem russischen Militär« benutzt, sagte IDF-Sprecher Jonathan Conricus.

Erst am vergangenen Freitag hatte das dem israelischen Geheimdienst Mossad zugerechnete Internetportal Debka file berichtet, dass Russland Israel bei Gesprächen aufgefordert habe, die Angriffe auf den Flughafen von Damaskus einzustellen. Das Portal bezog sich auf einen Bericht der in London ansässigen Tageszeitung Al-Quds Al-Arabi. Die israelische Armee bestätigte lediglich ein »Arbeitstreffen« zwischen hochrangigen israelischen und russischen Militärs. Dabei sei es um die Lage auf den Golanhöhen und um die israelischen Angriffe auf »iranische Militärstellungen« in Syrien gegangen.

Seit Anfang des Jahres haben die israelischen Streitkräfte mit Generalmajor Aviv Kochavi einen erklärten Hardliner gegenüber Syrien an der Spitze. Der bisherige Chef des IDF-Militärgeheimdienstes hatte für einen Sturz der syrischen Regierung einschließlich der Ermordung des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad plädiert. Der Chef des Mossad, Josef Meir »Yossi« Cohen, hatte dem laut israelischen Medien widersprochen, weil er lieber mit einem bekannten Gegner verhandeln wolle.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beschrieb die Angriffe als Teil der »israelischen Politik, den Iran zurückzudrängen, der in Syrien Fuß fassen« wolle. Israel werde weiterhin »die verletzen, die versuchen, uns zu verletzen«. Am Montag morgen fügte Netanjahu hinzu, die Angriffe hätten nicht nur »iranischen Basen« in Syrien gegolten, auch das syrische Militär, das den Iranern helfe, sei angegriffen worden. Belege für iranische Truppenpräsenz oder Militärbasen und Ausbildungslager in Syrien hat Israel nicht vorgelegt.

Der Iran weist die israelischen Behauptungen zurück, er setze sich militärisch in Syrien fest. Die einzige militärische Präsenz, die der Iran auf Bitten von Damaskus in Syrien habe, seien Militärberater.

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