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Aus: Ausgabe vom 21.01.2019, Seite 15 / Politisches Buch
Nazis in der Security-Branche

Im Dienst des Staates

Neues Antifaschistisches Infoblatt mit Schwerpunkt zu rechten »Sicherheitsleuten«
Von Felix Clay
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Zwei Männer vom »Sicherheitsdienst Arische Bruderschaft« auf dem Gelände des Neonazifestivals »Schild und Schwert« im sächsischen Ostritz (20.4.2018)

Der Schwerpunkt der jüngst erschienenen Winternummer des Antifaschistischen Infoblatts hat »rechte Security« zum Thema. Kern dieser Artikelsammlung sind zwei längere investigative Beiträge rund um eine sogenannte Mischszene aus Türstehern, Neonazis und Kampfsportlern, die sich im Sicherheitsgewerbe verdingen. Im Fokus stehen dabei vor allem Sachsen und angrenzende Bundesländer.

So wird in dem Artikel »Verschobene Selbstwahrnehmung« ein Blick auf das Netzwerk rund um die Leipziger Firma »Black Rainbow Security« geworfen. Ihr Personal war in Leipzig im Jahr 2008 in den »Diskokrieg« zwischen etablierten deutschen Türstehern und einer migrantischen Clique verstrickt. Gekämpft wurde um die Pfründe im kriminellen Milieu der Stadt. Die alten Platzhirsche um »Black Rainbow Security« mobilisierten in ihren Kreisen. Angesprochen fühlten sich Neonazis, Kampfsportler und Hooligans. Dabei handelte es sich um eine ähnliche Mischung rechter Aktivisten wie beim Überfall auf linke Projekte im Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016. Hier stehen nach wie noch etliche Gerichtsprozesse gegen die von der Polizei festgesetzten 250 zum Teil bewaffneten Neonazis aus. Zu dem Thema ist im Antifaschistischen Infoblatt auch der Beitrag »Connewitz-Prozess ohne Opferperspektive« zu lesen.

Besonders gefährlich wird das Agieren von Neonazis im Sicherheitsgewerbe, wenn solche Firmen mit ihrem einschlägigen Personal für die Bewachung von Geflüchtetenunterkünften eingesetzt werden. So zitiert das AIB im Beitrag »Recht(s) zuverlässig« aus einer auf einschlägigen Internetseiten verbreiteten Stellenanzeige: »Kamerad sucht noch ordentliche, zuverlässige und fleißige Mitarbeiter in Vollzeit für Bewachungsaufgaben«. Besagte Firma »sichert« auch Unterkünfte für Geflüchtete im südlichen Sachsen. Versehen war dieses Jobangebot mit der Telefonnummer des Chemnitzer Neonazis David H. Der ist heute Teammitglied der rechten Kampfsportgruppe »Barbaria Schmölln« und fährt zu einschlägigen neonazistischen Turnieren.

In einem weiteren Schwerpunktartikel geht die AIB-Redaktion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse ein, die es erst ermöglichen, dass Firmengeflechte wie die »Vereinigten Türsteher Ostdeutschland« zu einflussreichen Akteuren aufsteigen konnten, an denen der Staat angeblich nicht vorbeikommt. Zu beobachten sei ein Rückzug staatlicher Kerninstitutionen wie der Polizei aus der ostdeutschen Fläche, heißt es im Beitrag.

Einige besonders drastische Fälle rechter »Sicherheits«leute in Geflüchtetenunterkünften beschreibt die Autorin und Aktivistin Aino Korvensyrjä aus Bayern. In der Aufnahmeeinrichtung in Oberfranken, die jüngst zu einem sogenannten Anker-Zentrum umgewandelt wurde, ist beispielsweise die Firma »Fair Guards Security« zuständig, deren Mitarbeiter schon mehrfach durch schwere Übergriffe gegenüber Geflüchteten Schlagzeilen machten. In Anker-Zentren sei ein Teil der Geflüchteten kaserniert, denen der deutsche Staat eine »geringe Bleibeperspektive« einräumt, so Korvensyrjä. Sie vermutet, dass Mitarbeiter von den Behörden ermutigt werden, gegen unliebsame Geflüchtete vorzugehen, um diese zur Ausreise zu bewegen.

Antifaschistisches Infoblatt (Nr. 121): »Rechte Security – Rassisten. Hooligans. Neonazis«. 64 Seiten, 3,50 Euro. Bestellungen unter www.antifainfoblatt.de oder im jW-Shop unter jungewelt-shop.de

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