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Aus: Ausgabe vom 19.01.2019, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Rosa-Luxemburg-Konferenz

Kraft tanken

Ermutigend: Die XXIV. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz
Von Arnold Schölzel
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Die Konferenz wird zum Fest: Manifestation 60 Jahre Kubanische Revolution

Jede Rosa-Luxemburg-Konferenz hat ihre eigene Atmosphäre. Für die XXIV. Ausgabe gilt, was viele, vor allem auch ausländische Gäste, formulierten: ungeheuer ermutigend. Wegen des Umfangs: an die 3.100 Besucher, darunter mehr als 100 aus Dänemark, etwa 60 aus Belgien und aus praktisch allen Nachbarländern, viele Migranten, insbesondere türkische Linke. Und wegen des Programms, den mehr als neun Stunden Kultur, Wissenschaft und Politik. Wer in Zeiten von Niedertracht, Schwäche und Verwirrung nach Gründen für Zuversicht, Dagegenhalten und Nichtnachlassen sucht, nach geistiger Klarheit und emotionaler Stärke, konnte an diesem trüben 12. Januar im Konferenzhotel in Berlin-Moabit fündig werden, Kraft tanken.

Sechs längere Referate, dazu viele Kurzgespräche auf dem Podium, Grußbotschaften, Gesang, Musik im meist vollen bis übervollen Hauptsaal, Trubel auf dem »Marktplatz« eine Etage höher und in den Gängen nebenan, die Kunstausstellung »Tendenzen«, Gewimmel im »Café K«, parallel Jugendtreff der SDAJ und nach der Konferenz festlicher Jahresauftakt der DKP – die Programmplaner hatten berechtigte Furcht, ihre Feinabstimmung könne Makulatur sein. Das Gegenteil trat ein. Es herrschte Entspannung, trotz aller unvermeidlichen Pannen. Verantwortlich waren neben den mehr als 300 Helfern: anspruchsvolle Referate, großartige Kunst und die souveräne Moderation durch Anja Panse, die erstmals den Berliner Kabarettisten Dr. Seltsam, der viele Jahre durch das Programm geführt hatte, ablöste. Gina Pietsch (Gesang) und Christine Reumschüssel (Piano), die an Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und die Novemberrevolution erinnerten, ernteten Beifallsstürme, die Manifestation zum 60. Jahrestag der Kubanischen Revolution verwandelte die Konferenz in eine Festveranstaltung.

Würdiges Gedenken, kämpferische Solidarität und präzise Analyse machten den Jahrgang 2019 des größten Treffens von deutschsprachigen Linken zu Jahresbeginn aus. Vladimiro Giacché fasste in Computersprache zusammen: Dem Kapitalismus hilft kein Neustart, ein neues Betriebssystem muss her. Das war der rote Faden.

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    »Sagen, was ist«: Gina Pietsch (r.) und Christine Reumschüssel
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    Eduardo Sosa, Liedermacher aus Kuba
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    Musikalische Konferenzeröffnung mit »Proyecto Son Batey«
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    Wieland Hoban, Komponist und Übersetzer
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    Zum sechsten Mal dabei: Kunstausstellung der »Gruppe Tendenzen Berlin«
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    Erfahrungen und Meinungen: Die Podiumsdiskussion
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    Mesale Tolu: Solidarität ist eine Frage von Leben und Tod
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    Dietmar Dath: Prophezeiung nicht nötig
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    Vladimiro Giacché: Systemwechsel ist nötig
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    Michael Hudson: Barbarei ist Kalkül der US-Politik
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    Otto Köhler: Der deutsche Adlerschiss stinkt noch immer zum Himmel
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    Abel Prieto: Ohne kulturelle Veränderung keine Revolution
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    Die 1.500 Sitzplätze im Konferenzsaal reichten manchmal nicht
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    Gelbe Westen waren öfter zu sehen
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    (Rote) Fahnen und Transparente im Konferenzsaal
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    Der »Marktplatz« im Geschoss über dem Konferenzsaal
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    Wie stets zum Abschluss: Singen der »Internationale«

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