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Aus: Ausgabe vom 19.01.2019, Seite 8 / Ansichten

Ungemütlicher des Tages: Heinz-Christian Strache

Von Matthias István Köhler
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»Ich war kein Neonazi, und ich bin kein Neonazi«, sagte Strache einmal. Aber man wird sich wohl noch mit welchen zum Abendessen treffen dürfen!

Heinz-Christian Strache ist Vizekanzler Österreichs und hält es für möglich, dass in Zukunft einmal Fotos von ihm auftauchen, die ihn beim Hitlergruß zeigen. Man könne eben keine »b’soffene G’schicht vom Bruchteil einer Sekunde« ausschließen, wie er vor einigen Jahren in einem Interview sagte. Nee, kann man nicht, vor allem wenn man mit Neonazis abhängt.

Beispielsweise denen, die im feschen BWLer-Look herumlaufen und sich die »Identitären« nennen. Als aber im Netz ein Bild von ihm kursierte, das ihn 2015 übers ganze Gesicht strahlend im Kreise dieser illustren Gesellschaft beim Abendessen in einem Gasthaus zeigt, klagte er vor Gericht – das Bild sei eine Fälschung. Er kenne weder das Lokal noch die Leute. Der Text zu dem geteilten Foto – »Strache beim gemütlichen Zusammensein mit Identitären-Kader« – sei »unzulässig« und für den Vizekanzler Österreichs eine »Kränkung«.

Am Donnerstag wurde nun vor Gericht geklärt, dass die Bilder echt sind. Dann seien sie eben keine Fälschung, sagte Strache dem Richter, »aber ich habe kein gemütliches Treffen mit Identitären gehabt«. Das scheint schon sehr viel glaubwürdiger, »gemütlich« wird es da nicht zugegangen sein, trotz Bier, Wein und leckeren Abendessens aus der deftigen österreichischen Küche. Treffen dieser Art sind für den Mann schließlich harte Arbeit an der politischen Basis. Strache hatte den »Identitären« doch einmal bescheinigt, »quasi junge Aktivisten einer nicht-linken Zivilgesellschaft« zu sein.

»Ich war kein Neonazi, und ich bin kein Neonazi«, auch das sagte Strache vor einigen Jahren einmal. Und natürlich ist der Vizekanzler Österreichs das nicht, aber zum Glück gibt es ja genügend andere Neonazis, und mit denen kann man sich dann einfach ab und zu mal »ungemütlich« zusammensetzen.

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