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Aus: Ausgabe vom 11.01.2019, Seite 15 / Feminismus
Dauerkundgebung

Frauendelegation in Rojava

Unterstützung für »lebende Schutzschilde« gegen türkischen Angriff in Nordsyrien
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YPG-Kämpfer auf einem Außenposten in Kobani (Nordsyrien, Dezember 2018)

Eine Delegation der feministischen Kampagne »Gemeinsam kämpfen – für Selbstbestimmung und demokratische Autonomie« aus Deutschland befindet sich seit mehreren Wochen in den selbstverwalteten Gebieten Nordsyriens (Rojava). Wie die Aktivistinnen am Montag auf der Internetseite der Gruppe und gegenüber junge Welt berichteten, haben sich einige von ihnen angesichts türkischer Kriegsdrohungen zwei Tage lang an einer Aktion der »lebenden Schutzschilde« in Serekaniye (Ras Al-Ain) beteiligt – einer der Grenzstädte, in deren Nähe der türkische Staat seine Truppen zusammengezogen hatte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gibt vor, im Norden Syriens »einen Plan zur Wiederherstellung des Friedens« zu verfolgen, so am Montag in einem Gastbeitrag für die New York Times. Einen »Konflikt mit den syrischen Kurden« als solchen gebe es nicht, behauptete Erdogan. Die Türkei wolle die Terrororganisation Daesch – eine gängige Bezeichnung für den »Islamischen Staat« – und »andere Terrorgruppen« in dem Bürgerkriegsland bekämpfen. Letzteres bezieht sich wohl auf die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ. Die Delegation rechnet mit der Beteiligung dschihadistischer Hilfstruppen auf Erdogans Seite, sollte es zum Angriff kommen.

»Das Stadtbild ist geprägt von den Vorbereitungen auf den Krieg«, es gebe »Tunnel, die zum Schutz gegen Bombardierungen gegraben wurden, und riesige Plastikplanen, die über den Straßen aufgehängt wurden, um Drohnen die Sicht zu versperren«, schrieben die Aktivistinnen über die Lage in Serekaniye. »Meistens sind Leute auf den Straßen, Kinder rennen herum, viele scheinen zur Aktion der lebenden Schutzschilder hin- und herzulaufen.«

Etwa 300 Meter von der Grenzmauer entfernt sei bereits im Dezember ein Camp mit Dauerkundgebung errichtet worden. Ziel der Aktion sei es, durch die Anwesenheit vieler Zivilistinnen und Zivilisten »eine Art menschlichen Schutzwall« zu bilden. (jW)

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