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Aus: Ausgabe vom 09.01.2019, Seite 15 / Antifa
Ultrarechts mit Querfrontphrasen

Opfermythenpflege in Fulda

Neonazipartei »Der III. Weg« will alliierte Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg anprangern und gibt sich antiimperialistisch
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Splitterpartei, aber in mehreren Bundesländern aktiv: Aufmarsch des »III. Weges« am 1. Mai in Chemnitz

Die neofaschistische Kleinpartei »Der III. Weg« mobilisiert bundesweit für einen Fackelmarsch am 16. Februar im hessischen Fulda. Das Motto des »zentralen Gedenktags für die Bombenopfer« lautet allerdings »Ein Licht für Dresden«. Der alliierte Luftangriff auf die sächsische Stadt am 13. Februar 1945 wird im Aufruftext zum zentralen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs stilisiert.

Der »Trauerzug« der »nationalen Bewegung« solle aber nicht nur der Opfer in Dresden, »sondern auch derer in anderen Städten gedenken, die Opfer der imperialistischen Kriegsgreuel wurden«, heißt es darin. Zum Beispiel in Fulda. Dann wird eine unhaltbare Parallele zwischen dem expansiven Nazireich und Ländern des Nahen und Mittleren Ostens gezogen, in denen heute Zivilisten durch Bomben oder Drohnen der »westlichen Wertegemeinschaft« sterben. Worte der Mitmenschlichkeit für Kriegsflüchtlinge, die es aus diesen Ländern bis nach Deutschland geschafft haben, bleiben aber erwartungsgemäß aus.

Statt dessen heißt es am Ende querfrontlerisch: »Für ein Europa der Vaterländer und Nationalstaaten – gegen die imperialistische Mordmaschinerie damals und heute!«

Die »nationale Bewegung« war bereits am 30. Dezember in Fulda zu einer Art Mobilisierungsdemo durch die Fuldaer Innenstadt marschiert – allerdings laut einem Bericht des SPD-nahen Portals Blick nach rechts vom Montag nur mit rund 20 Teilnehmern.

Zwar ist »Der III. Weg« zahlenmäßig eher dürftig aufgestellt. Gewaltaffin und ideologisch gefestigt sind aber einige seiner bundesweit nur wenigen hundert Mitglieder. Er versteht sich als Kaderpartei und will keine »Karteileichen« in seinen Reihen. Seine »Stützpunktleiter« gingen zum Teil aus dem 2014 verbotenen Freien Netz Süd (FNS) hervor, dem sich seit 2009 mehrere Mitglieder der Gruppe um den damals inhaftierten Rechtsterroristen Martin Wiese angeschlossen hatten. Dessen 2008 aus der Haft entlassener Komplize Karl-Heinz Statzberger hielt als Stützpunktleiter des »III. Weges« nicht nur Kontakt zum vergleichsweise bürgerlich daherkommenden Münchner Ableger der Pegida-Bewegung, sondern auch zu dem NSU-Angeklagten André Eminger, der in dem von 2013 bis 2018 dauernden Prozess offen als Hardcore-Nazi auftrat. Ob Statzberger und Eminger sich bereits vor der Aufdeckung des »Nationalsozialistischen Untergrunds« 2011 kannten, ist nicht bekannt. Im Jahr 2017 prägten Aktivisten des »III. Weges« maßgeblich die Auftritte von Pegida München, führten zum Teil deren Aufmärsche an und stellten mit Statzberger auch mal einen Kundgebungsredner. (jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Nick Papak Amoozegar, Die Linke, Fulda: Viel zu tun Erneut wurde Anfang Februar die osthessische Stadt Fulda Ort eines Neonaziaufmarsches. Diesmal konnte die faschistische Kleinpartei »Der III. Weg« auch in anderen europäischen Ländern Menschen für sic...

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