• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 05.01.2019, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Hamlet oder Omelett?

Von Ina Bösecke

Er ist nicht nur lächerlich, er ist vor allem eine tragische Figur. Wolfram Labaule (Uwe Ochsenknecht), die Hauptfigur in der Mini-Serie »Labaule und Erben« (Deutschland 2018) von Boris Kunz, fühlt sich zu allem Schöngeistigen hingezogen, muss aber nach dem Unfalltod seines Vaters ein renommiertes Zeitungsunternehmen leiten, was sich als ein knallhartes Geschäft erweist. Niemand traut es ihm zu, außer seiner Frau (Inka Friedrich), aber die ist mit ihrer eigenen Stiftung für geflüchtete Waisenkinder beschäftigt. Wolframs Mutter (die legendäre Irm Hermann) möchte das Unternehmen verkaufen und behindert den Filius, wo es nur geht, ohne dass dieser das zunächst mitbekommt. Wolfram wiederum überlässt eine wichtige Position im Verlag seinem sich permanent überschätzenden, ziemlich verrückten Sohn (Lukas Rüppel), der die Redaktion durcheinanderwirbelt. Der von der Mutter angeheuerte »Berater« tut ein Übriges, um den Niedergang des Verlegers samt seinem Unternehmen zu beschleunigen.

Wie sich Wolfram da mit seinem immer etwas erstaunt blickenden Kleine-Jungen-Gesicht durchschlägt, wie er zwar kontinuierlich in jedes Fettnäpfchen tritt, das ihm in den Weg gestellt wird, aber mit einer gewissen Unschuld und Würde weiterläuft, das macht nicht nur Leuten Spaß, die sich für Medien im allgemeinen und Zeitungen im speziellen interessieren, auch wenn das ein großes Thema dieser Serie ist. Es interessiert vor allem, ob es einer schafft, der als Weichei gilt, menschlich zu bleiben unter all den Wölfen, die sich in Familien und Unternehmen tummeln, und einen eigenen akzeptablen Weg zu findet. Die Serie, die auf einer Idee von Harald Schmidt beruht, wird ab dem 10. Januar im Fernsehen ausgestrahlt, konnte aber bereits vorab in der ARD-Mediathek angeschaut werden.

Es gibt noch jede Menge anderer bemerkenswerter Figuren in dieser Geschichte. Zum Beispiel der durchgeknallte Theaterregisseur Heiner Castro (Bernd Stegemann), der Wolfram überredet, in seiner Aufführung den Hamlet zu spielen (als multiple Persönlichkeit in einer Anstalt). Zur Mittagspause heißt es einmal: »Hamlet oder Omelett?« Omelett mit Zucchini, Oliven und Pinienkernen: 600 g gelbe Zucchini waschen, putzen, in kleine Würfel schneiden. Ein halbes Bund frischen Thymian abbrausen, trockenschütteln. Blättchen abstreifen, Hälfte davon hacken. 40 g schwarze Oliven vom Stein abscheiden, hacken. 40 g Pinienkerne rösten. 100 g Ziegenfrischkäse mit 100 ml Milch glatt verrühren. Acht Eier verquirlen, Frischkäsemischung und den gehackten Thymian daruntermischen, das Ganze mit Salz und Pfeffer würzen. Vier EL Olivenöl in zwei Pfannen erhitzen, jeweils die Hälfte der Zucchiniwürfel darin unter gelegentlichem Wenden in fünf Minuten bei mittlerer Hitze knapp gar braten. Temperatur herunterschalten, Zucchini salzen und pfeffern. Jeweils die Hälfte der Eiermischung über die Zucchini gießen, langsam stocken lassen. 100 g Ziegenfrischkäse in Flöckchen darüber verteilen. Drei Viertel der Oliven und Pinienkerne dazwischenstreuen. Sobald die Eiermasse stockt, Omeletts nach Belieben auf die Hälfte zusammenklappen. Zucchiniomeletts mit den restlichen Pinienkernen, Oliven und Thymianblättchen bestreuen.

Wie sich Wolfram mit seinem immer etwas erstaunt blickenden Kleine-Jungen-Gesicht durchschlägt, hat eine gewisse Unschuld und Würde


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