Aus: Ausgabe vom 31.12.2018, Seite 8 / Ansichten

Wie Brennholz

Hoffnung auf Frieden im Jemen?

Von Knut Mellenthin
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Der Chef der Küstenwache spricht mit Angehörigen der Ansarollah-Miliz in Hodeida vor ihrem Rückzug (29.12.2018)

Gibt es im Jemen nach vier Jahren Krieg und Verelendung der Bevölkerung ein bisschen Hoffnung auf Frieden? Die völlig von den Saudis abhängige Exilregierung, die in deren Hauptstadt Riad residiert, und die schiitische Ansarollah-Bewegung hatten sich am 13. Dezember auf mehrere »vertrauensbildende Maßnahmen« geeinigt. An erster Stelle steht der Abzug der Streitkräfte beider Seiten aus der westjemenitischen Stadt Hodeida und deren drei Häfen am Roten Meer. Über sie kommen mindestens 70 Prozent der Importe und Hilfslieferungen ins Land. Hodeida wird seit 2014 von Kämpfern der Ansarollah, in westlichen Medien meist als »Hu­this« bezeichnet, kontrolliert. Eine zusammengewürfelte Truppe von Söldnern einer saudisch geführten Militärkoalition hat seit Juni 2018 vergeblich versucht, die Stadt einzunehmen.

Am Sonnabend wurde gemeldet, dass die Huthis damit begonnen hätten, sich aus den drei Häfen zurückzuziehen. Überwacht wird der Vorgang von einem kleinen unbewaffneten Team der UNO, aber die reale Kontrolle wurde an die lokale Küstenwache übergeben. Das reicht der Exilregierung in Riad jedoch nicht. Sie wendet ein, dass diese Kräfte mit Ansarollah kooperieren. Das ist vermutlich nicht ganz verkehrt. Aber was wäre die Alternative, sofern man die offensichtliche Tatsache anerkennt, dass es irgendeiner polizeiartigen Kontrolle über Hodeida bedarf?

Die Exilregierung verfügt kaum über loyale Sicherheitskräfte. Sie meidet sogar ihre provisorische Hauptstadt Aden, weil die von der südjemenitischen Separatistenbewegung beherrscht wird, die unter dem Schutz der Vereinigten Arabischen Emirate steht. Die Bodentruppen der saudisch geführten Kriegskoalition am Rande von Hodeida bestehen aus fundamentalistischen Stammeskriegern, die oft vom »Islamischen Staat« nicht zu unterscheiden sind, aus südjemenitischen Milizionären und aus ausländischen Söldnern. Es ist nicht zu erwarten, dass Ansarollah diesen Landsknechtshaufen die Stadt ausliefern wird.

Die New York Times berichtete am Freitag exklusiv aufgrund eigener Recherchen, dass die Saudis 14.000 Söldner aus dem Sudan in ihren Diensten haben. Darunter seien nach unterschiedlichen Schätzungen 20 bis 40 Prozent Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Viele würden von ihren Familien regelrecht verkauft. Die Söldner würden von den Saudis benutzt »wie Brennholz« sagte einer der von der New York Times interviewten Sudanesen.

Diese Tatsachen, ebenso wie die gesamte Militärintervention der Ölregimes mit ihren verheerenden Folgen, sind bis heute kein Thema für den UNO-Sicherheitsrat. Aber solange das so bleibt, liegt ein politischer Friedensschluss für die geschundenen Menschen des Jemen in weiter Ferne.


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