Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Aus: Ausgabe vom 28.12.2018, Seite 10 / Feuilleton
Droste

Jochen rennt! Wahre Tierrechte (68)

Von Wiglaf Droste

Jochen rannte, als hieße er Lola und hätte einen dummdeutschen Fernsehregisseur, hielt aber kurz inne, nahm den Gitarrenkoffer mit sich und eilte weiter. Er sah Melissa vor der Bühne, die mit Uniformierten kämpfte, während sie unter ihren Hufen ganze Arbeit leistete: Pinky war zwar da, aber gewesen. Als Jochen neben Melissa ankam, haute sie einen SEK-Mann mit einem Kopfstoß um und muhte stolz. »Kannst du dir vorstellen, was es für eine Kuh bedeutet, einen Bullen flach zu legen?« stieß sie hervor.

Jochen konnte, und er freute sich. Die Band spielte weiter, das Gemenge ging weiter, er fühlte sich so am Leben und so klar wie seit Jahrzehnten nicht. »Für das hier lebst du«, sagte er sich, erklomm die Bühne, nahm die Martin aus dem Koffer, stellte sich an ein Mikrofon, hob eine Hand, wartete und sagte: »Aufhör’n und zuhör’n. Und zwar alle.« Es klappte, und dann bat er Melissa auf die Bühne. »Dies ist das Ende von etwas und der Beginn von etwas ganz Neuem. Und ohne Melissa hätten wir alle das nicht geschafft.«

Melissa sah ihn aus ihren großen Augen an. »You can say Muh to me«, sagte sie, leckte Jochen ab und begann zu singen. Es war die schönste Version von »Knockin’ on Heaven’s Door«, die jemals erklungen war.

Eine letzte Fortsetzung folgt

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