Aus: Ausgabe vom 20.12.2018, Seite 1 / Titel

Crashkurs für Drohnen

Bundeswehr will unbemannte Flugobjekte im zivilen Luftraum einsetzen, noch fehlt die Zulassung. Vorerst sind sie in Israel stationiert

Von Matthias Monroy
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Die Vision von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Militärische Drohnen über Deutschland kreisen lassen

Die Bundeswehr kommt ihrem Ziel, militärische Drohnen über Deutschland fliegen zu lassen, näher. Noch fehlen die technischen Voraussetzungen für den Einsatz. Das Verteidigungsministerium hat nun Versuche zur Vermeidung von Zusammenstößen am Himmel in Auftrag gegeben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) werde noch in diesem Monat mit entsprechenden Tests auf dem eigenen Betriebsgelände in Braunschweig beginnen, schreibt die Bundesregierung in der Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion. Die Flüge sind Teil des Programms »Sense and Avoid national« (Prosan), das vom Verteidigungsministerium mit 13 Millionen Euro finanziert wird. Ziel ist die Entwicklung und Erprobung von Ausweichverfahren für Drohnen, damit diese im zivilen Luftraum verkehren können. Die deutschen Forschungen sind Teil eines seit zehn Jahren bestehenden Projekts der Europäischen Verteidigungsagentur.

Die Drohnen der Bundeswehr verfügen bislang nur über Assistenzsysteme, die Hinweise auf eine mögliche Kollision geben. Ein Ausweichmanöver muss im Ernstfall von den Piloten am Boden eingeleitet werden. Zur Gleichstellung der militärischen Drohnen mit der zivilen Luftfahrt ist eine solche Technik allerdings nicht ausreichend. Deshalb muss die Bundeswehr in Deutschland für alle Tests oder Trainings Sondergenehmigungen beantragen, die Flüge dürfen dann nur in gesperrten Luftkorridoren stattfinden.

Für die Flugversuche in Braunschweig wird ein eigens für das Projekt entwickelter Prototyp genutzt. Über die Größe und Beschaffenheit dieser Drohne ist nichts bekannt. Neben dem DLR arbeiten die Rüstungskonzerne Hensoldt und Diehl Defence GmbH in »Prosan« mit, die Bundeswehr ist als Beobachterin beteiligt. Die Firma Hensoldt gehörte früher zum Airbus-Konzern und ist auf die Herstellung elektrooptischer Sensoren spezialisiert. Damit werden etwa Abstände zu anderen Luftfahrzeugen ermittelt.

Ende 2019 sollen die Ergebnisse der Tests in Braunschweig in einen Abschlussbericht münden. Sie könnten dann in die Zertifizierung der bewaffnungsfähigen »Eurodrohne« einfließen, die Airbus derzeit im Auftrag von fünf EU-Mitgliedstaaten entwickelt. Laut dem Verteidigungsministerium soll das in Prosan entwickelte Ausweichsystem auch für Drohnen der Klasse »High Altitude Long Endurance« (HALE) genutzt werden können.

Die Forschungen in Braunschweig sind eine direkte Konsequenz aus dem wenig rühmlichen Schicksal der US-Riesendrohne »Euro Hawk«, die für die Bundeswehr mit einem Abhörmodul von Airbus in großen Höhen spionieren sollte. Der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière musste das Projekt vor fünf Jahren vorzeitig beenden, weil der »Euro Hawk« nicht zugelassen werden konnte. Um einer Wiederholung dieses Debakels vorzubeugen, werden die kürzlich beschlossenen Kampfdrohnen der Bundeswehr in Israel und nicht wie ursprünglich geplant in Schleswig-Holstein stationiert.

Jetzt will das Verteidigungsministerium einen Nachfolger für den »Euro Hawk« beschaffen. Die Bundesregierung plant den Kauf von drei Spionagedrohnen der hochfliegenden ­HALE-Klasse aus den USA. Die Vertragsunterzeichnung über zwei Milliarden Euro soll ebenfalls in einem Jahr erfolgen. Die unbemannten Luftfahrzeuge verfügen allerdings über kein Ausweichsystem. Laut der Bundesregierung will die NASA bis zur Lieferung der Drohnen 2025 eine entsprechende Technologie serienreif entwickelt haben, die dann auch die Bundeswehr nutzen könnte.


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