Aus: Ausgabe vom 18.12.2018, Seite 14 / Feuilleton

Heaven is a Halfpipe

Von Rafik Will
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Und auch noch umweltfreundlich! Außer vielleicht akustisch

Vier Rollen und ein Brett. Mehr braucht es nicht, um manche Leute glücklich zu machen. An Betonkanten, Treppengeländern oder in der Halfpipe vollführen sie darauf Luftsprünge. Elisabeth Weilenmann widmet sich in ihrem Feature »Skateboarding« (NDR/RBB 2018; Ursendung Di., 20 Uhr, NDR Kultur) der Faszination dieses übrigens erfreulich umweltfreundlichen Freiluftsports. Die Bretter sind schließlich nicht motorisiert. Und es brauchen keine Schneekanonen abgefeuert zu werden wie beim Snowboarding. Werner Cee und Bettina Obrecht haben sich für »Gutes Klima in Teufels Küche – Climate Engineering, der andere Blick zum Himmel« (SWR 2018; Ursendung Mi., 22 Uhr, SWR 2) die Methoden angeschaut, mit denen der Klimawandel irgendwie aufgehalten werden soll. Auf der gleichen Welle ist tags darauf Marlene Streeruwitz mit ihrem beeindruckenden Originalhörspiel »Zimmerstunde« (SWR 2018; Ursendung Do., 22 Uhr, SWR 2) zu hören. Die Autorin lässt die Figur einer Frau aus dem Hotelfachgewerbe von verschiedenen Schauspielerinnen sprechen. Die akustisch komplexe Aufsplitterung spiegelt dabei die Ordnung der Gesellschaft. Kurz darauf ist dann auch Premiere von Édouard Louis’ empfehlenswertem Stück »Geschichte der Gewalt« (WDR 2018; Ursendung Do., 23 Uhr, WDR 1Live).

Es ist wahrscheinlich eine der abgefahrensten Arten zu malen: Ameisen laufen über speziell beschichtetes Papier und hinterlassen darauf ihre Spuren. Ausgetüftelt hat diese Methode der naturbegeisterte Künstler Maximilian Prüfer. Mehr über seine Projekte erfährt man bei Lydia von Freybergs »Der mit den Ameisen malt – wie Maximilian Prüfer mit der Natur Kunst macht« (BR 2018; Ursendung Sa., 13 Uhr und Wdh. So., 21 Uhr, Bayern 2). Den Sender kann man gleich eingeschaltet lassen, denn wenig später läuft hier Annemarie Schwarzenbachs »Alle Wege sind offen« (BR 2018; Ursendung Sa., 15 Uhr, Bayern 2).

Und dann ab in den Orgon-Akkumulator. Christian Find hat sich für  »Mein Reich komme – Wilhelm Reich und sein Projekt ›Die Kinder der Zukunft‹« (DLF Kultur 2018; Ursendung Sa., 18 Uhr, DLF Kultur) in vollkommener Dunkelheit in ein Schwebebad aus Salzlake begeben, um eine Séance mit dem Psychoonkel abzuhalten.

Und weil es bekanntlich überall schwer weihnachtet, tut es das auch im Radio, z. B. mit Dunja Arnaszus Hörspiel »Efeu« (MDR/HR 2018; Sa., 19 Uhr, WDR 3 und So., 17 Uhr, WDR 3 und SR-2-Kulturradio) oder dem besinnlich-verantwortungsvollen  »Tierloses Fleisch oder: Weihnachtsbraten ohne Reue?« (WDR/SR 2018; Ursendung Sa., 11 Uhr und Mo., 20 Uhr, WDR 5) von Caroline Nokel und Valentin Thurn. Noch heiliger wird es höchstens mit Andreas Ammers und Ulrike Haages »Seven Dances of the Holy Ghost« (BR 1998; So., 18.30 Uhr, DLF Kultur) und Daniel Kehlmanns »Heilig Abend« (WDR 2017; So., 19 Uhr, WDR 3 und Mo., 23 Uhr, WDR 1Live).

Auch wenn es weder Gespenster noch Geister gibt – was der Unterschied zwischen beiden ist, erklärt Raphael Smarzoch in »Paranormal Activity – den Gespenstern auf der Spur« (DLF 2018; So., 20 Uhr, DLF). Lisa Spalt präsentiert »Das Institut« (Autorinnenproduktion 2018; Ursendung So., 23 Uhr, ORF Ö1) – »für poetische Alltagsverbesserung«. Das FSK sorgt mit »›Bewältigungsversuche eines Überwältigten‹ – nie geführte Interviews mit Jean Améry« (Offene Liste – alles für alle 2011; Mo.,14 Uhr, FSK) dafür, dass nicht zuviel Feierstimmung aufkommt.


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