Aus: Ausgabe vom 17.12.2018, Seite 5 / Inland

Angriffe abwehren

Außerordentliche Vollversammlung der LPG junge Welt beschließt Resolution und Aktionsprogramm

Von Marc Bebenroth
LPG20181215_0001.jpg
Dietmar Koschmieder, Geschäftsführer des Verlags 8. Mai, erklärt die Problemlage sowie Strategien zur Stärkung von junge Welt

Für die morgendliche Zustellung der jungen Welt fordert die Deutsche Post AG ab 1. Januar 2019 das Zehnfache vom ursprünglich angekündigten Preisanstieg. 28,5 statt 2,8 Prozent mehr allein für diese Dienstleistung bedeuten 90.000 Euro zusätzliche Ausgaben, die alljährlich aufs Neue gestemmt werden müssten (siehe jW vom 1.12.). Dagegen wehren sich diese Zeitung, der Verlag 8. Mai GmbH und dessen Haupteigentümerin, die LPG junge Welt eG

Die Situation ist dramatisch, für jW sogar existenzbedrohend. Daher wurde vom Vorstand eine außerordentliche Vollversammlung der Linke Presse Verlags-, Förderungs- und Beteiligungsgenossenschaft (LPG) anberaumt, die am Sonnabend in Anwesenheit von 76 LPG-Mitgliedern in der jW-Ladengalerie in Berlin-Mitte stattfand. Bei lediglich zwei Gegenstimmen beschlossen die Anwesenden sowohl eine Protestresolution gegen das Gebaren der Post als auch ein Aktionsprogramm zur Stärkung der jungen Welt. Zentrale Aufgabe ist es demnach für alle Leser und Genossen, konsequent mehr Menschen vom Wert dieser Zeitung – auch und gerade als gedruckter Tageszeitung – zu überzeugen und jW so zu stärken.

Das am Sonnabend beschlossene Aktionsprogramm beinhaltet, dass die Ziele der aktuellen jW-Abokampagne nach oben korrigiert werden. Bisher waren 1.300 neue Print- und 600 zusätzliche Onlineabonnements angestrebt. Nun gilt es bis zum Ende dieser Kampagne, insgesamt 1.600 Printabonnenten und ebenfalls 1.600 neue Onlineabonnenten zu gewinnen. Die Mehreinnahmen im Onlinebereich sollen vor allem der Unterstützung des Printprodukts dienen. »Wir werden uns in Anbetracht zunehmender ökonomischer und politischer Angriffe wirtschaftlich stärken müssen« erklärte jW-Geschäftsführer Dietmar Koschmieder den Versammelten. Die gegenwärtige Rechtsentwicklung provoziere verstärkte Angriffe von außen. »Darauf müssen wir uns einstellen«.

Zuvor führte Vertriebsleiter Jonas Pohle aus, weshalb das Handeln der Post auch sonst wirtschaftlichen Schaden anrichtet. So komme zu den angekündigten Mehrkosten für die Zustellung der Zeitung noch eine deutliche Verschlechterung bei der Lieferqualität hinzu. Das Problem liege jedoch in der Regel nicht in der Logistik, so Pohle, sondern vor allem in der Geschäftspolitik, die auf maximale Profite abziele. Die Ausdehnung der Liefergebiete sorge dafür, dass die Zusteller mitunter nur durch zunehmende Selbstausbeutung die Auslieferung von Tageszeitungen wie der jungen Welt gewährleisten können. Ein hoher Krankenstand bei den Beschäftigen sei eine Folge dieser Konzernpolitik.

LPG20181215_0004.jpg
Insgesamt reisten 76 Mitglieder und 2 Gäste zur LPG-Vollversammlung an (Berlin, 15.12.2018)

Andererseits führt praktisch kein Weg an der Post vorbei, will man eine gedruckte Zeitung zumindest theoretisch werktags im Briefkasten haben. »Die Deutsche Post ist ein Monopolist«, stellte Pohle fest. Für die jW gebe es keinen alternativen Dienstleister, der über eine vergleichbare Infrastruktur verfügt. Zwar nutzt der Verlag 8. Mai schon jetzt Zustellagenturen, die eigenständig die Zeitung ausliefern. Allerdings sei dieses Modell nur für Großstädte wie Berlin oder die »neuen« Bundesländer tragfähig. Aber selbst im dichtbevölkerten Westen der Republik sei dieser Weg kaum gangbar, erläuterte Pohle.

Auch aus den Reihen der Anwesenden kamen praktische Vorschläge, wie jW unterstützt werden könne. Denn nicht nur höhere Erlöse aus Abonnements sind entscheidend. Parallel müsse die Zeitung insgesamt einem größeren Publikum bekannt gemacht werden, darin waren sich alle einig. So sprach sich ein junges Genossenschaftsmitglied dafür aus, den Ausbau der Leserinitiativen aktiv voranzutreiben. Darüber hinaus schlug er vor, dass sich Leser und Unterstützer der jungen Welt zum Beispiel als Mitglieder in Studentenvereinigungen, aber auch in anderen Organisationen für die Zeitung stark machen. Beide Anregungen fanden unter den übrigen Genossenschaftern großen Zuspruch.

Mit Verabschiedung des Aktionsprogramms erklärte sich die Vollversammlung der LPG grundsätzlich dazu bereit, den »dringend notwendigen Ausbau« des jW-Onlineauftritts »gegebenenfalls auch mit Krediten« zu unterstützen.

Der »Postraub« ist mittlerweile auch bei der Bundesregierung angekommen. Aus einer aktuellen Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag, von der Koschmieder der Vollversammlung berichtete, gehe hervor, dass die Regierung keinerlei Handlungsbedarf in Sachen Missbrauch von Marktmacht durch die Deutsche Post AG sehe. Der Verlag prüft nun zur Gegenwehr juristische Schritte.

Informationen zur jW-Genossenschaft und zum Beitritt: jungewelt.de/genossenschaft


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

20 Jahre Osterwunder Am 6. April 1995 erschien die junge Welt »zum letzten Mal«

Ähnliche:

Mehr aus: Inland