Aus: Ausgabe vom 17.12.2018, Seite 4 / Inland

Ehrung für Menschenrechtler

Bürgerrechtsorganisation verlieh Carl-von-Ossietzky-Medaille in Berlin

Von Lenny Reimann
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Cizres damalige Bürgermeisterin Leyla Imret am 12. September 2015

Um gegen die soziale und politische Ausgrenzung von Minderheiten zu protestieren und die Verteidigung der Rechte von benachteiligten und unterdrückten Menschen zu ehren, hat die Internationale Liga für Menschenrechte am Sonntag die Carl-von-Ossietzky-Medaille 2018 im traditionsreichen Grips-Theater in Berlin verliehen. Die Medaille, mit der »Personen oder Gruppen, die sich durch Zivilcourage und herausragendes Engagement für die Verwirklichung, Verteidigung und Erweiterung der Menschenrechte und des Friedens verdient gemacht haben«, gewürdigt werden sollen, wird bereits seit 1962 von der Liga verliehen. In diesem Jahr ging der Preis an die kurdische Kommunalpolitikerin Leyla Imret und den Diplom-Sozialarbeiter Ottmar Miles Paul aus Kassel.

Imret ist in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen aufgewachsen und siedelte dann in die Türkei über, wo sie 2014 zur Bürgermeisterin der kurdischen Stadt Cizre gewählt wurde, dann jedoch zwangsweise ihres Amtes enthoben und mehrmals verhaftet wurde. Schließlich musste sie nach Deutschland fliehen. Zu den unfassbaren Menschenrechtsverletzungen in Cizre sagte Imret im März 2018 als sachverständige Zeugin vor dem »Internationalen Tribunal der Völker« in Paris und im November vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg aus. Die Laudatio für die Politikerin hielt Norman Paech, emeritierter Professor für Politikwissenschaft und Völkerrecht aus Hamburg. Der ehemalige Linke-Bundestagsabgeordnete war eines der sieben Mitglieder des Pariser Tribunals, welches die Türkei am 25. Mai 2018 während einer Pressekonferenz im Europäischen Parlament »wegen systematischer Menschenrechtsverletzungen, Kriegs- und Staatsverbrechen« verurteilte.

Die Laudatio auf Ottmar Miles Paul hielt der Diplom-Pädagoge Karl Finke, Präsident des Behindertensportverbandes Niedersachsen und zugleich Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen.

Die Menschenrechtsliga hatte Ottmar Miles Paul für die Ehrung nominiert, da er seit mehr als 30 Jahren einer der wichtigsten Protagonisten der Behindertenbewegung sei. Miles-Paul trage »durch seinen wegweisenden, konsequenten und kämpferischen Einsatz gegen herrschende Vorurteile dazu bei, dass Menschen mit Behinderungen selbst aktiv werden und aus eigener Erfahrung Konzepte zur Durchsetzung ihrer Rechte entwickeln«, so die Liga. Abgerundet wurde das Programm am Sonntag von verschiedenen kulturellen und musikalischen Darbietungen.


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