Aus: Ausgabe vom 10.12.2018, Seite 4 / Inland

Brandanschläge im Rhein-Main-Gebiet

Vermehrt Attacken auf linke Wohnprojekte. Rechte Parteien heizen Stimmung an

Von Milan Nowak
Unwetter_in_Damme_49572178.jpg
Die Feuerwehr musste in der Rhein-Main-Region zuletzt häufiger Brände in linken Hausprojekten löschen

Als in der Nacht zum 14. September in Schwalbach am Taunus in einem Bereich des Wohnprojekts »Knotenpunkt« Feuer gelegt worden war, konnten es die Bewohner kaum glauben. Durch den Brand wurde das Haus unbewohnbar, eigenen Löschbemühungen und dem Einsatz von mehr als 200 Kräften der Feuerwehr zum Trotz. Nach Schätzungen entstand ein Sachschaden von über 200.000 Euro. Doch seit am Abend des 13. November kurz nacheinander die Wohnprojekte »Au« und »Assenland« in Frankfurt-Rödelheim Opfer von Brandstiftung wurden, gehen die Betroffenen von rechten Aktionen aus, wie Eliad Nowack vom Assenland der jW am Freitag erklärte.

In beiden Fällen wurden Holzzäune angesteckt, wie eine Sprecherin der Polizei Frankfurt am Main gegenüber jW am selben Tag bestätigte. Da die Ermittlungen andauern, könne man den Verdacht auf »rechtsextreme« Straftaten nicht bestätigen; man müsse aber »wie bei allen Fällen alles in Betracht ziehen«. Die Brandserie im Rhein-Main-Gebiet geht derweil weiter: Am 3. Dezember zerstörte ein Feuer im Hanauer Wohnprojekt »Schwarze 7« einen Bauwagen und verursachte 5.000 Euro Schaden. Der Brand habe von den Bewohnern gelöscht werden können. Weil man von den anderen Fällen gehört habe, sei ein zusätzlicher Feuerlöscher angeschafft worden, wie ein Anwohner laut Frankfurter Rundschau (5.12.) berichtete. Bekennerschreiben gibt es bislang nicht.

Die Opfer sehen den Grund für die Angriffe in der wachsenden Aggressivität gegen Linke. In einem solchen Klima gerieten alternative Wohnprojekte verstärkt ins Visier von rechten Gruppen. Diese Auffassung teilt auch Michael Müller, der für Die Linke im Stadtparlament von Frankfurt am Main sitzt. »Der CDU sind alternative Wohnprojekte ein Dorn im Auge, vor allem die Au‹«, erläuterte er am Freitag gegenüber jW. Die »Au« ist eine Liegenschaft der Stadt, ihre Besetzung wird bislang geduldet, einen Mietvertrag gibt es nicht. Die CDU postuliere, den »rechtlosen Zustand« beenden zu wollen, habe jedoch vor allem Interesse an der Verwertung des Grundstücks, so Müller. Flankiert von AfD und FDP werde das Thema im Stadtparlament immer wieder aufs Tapet gebracht. Dabei würden haltlose Vermutungen über verschiedene Straftaten gestreut, die von Bewohnern begangen würden. Neben einer Aufklärung der Brandfälle fordere Die Linke, dass bei Neubauprojekten alternative Wohnformen stärker berücksichtigt und finanziell unterstützt werden.

Besonders gravierend sind die Folgen des Großbrands im »Knotenpunkt« in Schwalbach. Das Gebäuden war vor über 30 Jahren besetzt und im Jahre 2006 durch den Beitritt zum »Mietshäuser-Syndikat« endlich dem »Spekulantenmarkt entzogen« worden, wie es in einem Solidaritätsaufruf des Syndikats im Oktober hieß. Nun wollen die Bewohner ihr Haus neu aufbauen, wofür sie aber Hilfe brauchen.

Am Sonntag trafen sich die Bewohner mehrerer linker Wohnprojekte in Frankfurt-Rödelheim. Sie wollen nun den Brandschutz verbessern, aber vor allem über die Angriffe informieren und die Nachbarschaft sensibilisieren. Letztlich sei das Problem das Erstarken rechter Kräfte, sagte »Assenland«-Bewohner Eliad Nowack zu jW. Dagegen gelte es auf die Straße zu gehen.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Inland
  • Kramp-Karrenbauer neue Parteichefin, Paul Ziemiak Generalsekretär
  • Verkündung der Menschenrechtscharta der UN vor 70 Jahren: Umsetzung hehrer Ziele weiterhin unzureichend. Ein Gespräch mit Sylvia Brennemann
    Markus Bernhardt
  • Tausende gegen Polizeigesetze in Düsseldorf und Hannover auf der Straße. Zudem demonstrierten Antifaschisten in Essen
    Markus Bernhardt
  • Wohnungsverwalter Vonovia erklärt, wegen starker Proteste weniger Geld mit energetischen Sanierungen verdienen zu wollen
    Bernd Müller
  • Gewerkschaft EVG kritisiert zu geringes Lohnangebot. Lokführervereinigung GDL im Wartestand