Aus: Ausgabe vom 06.12.2018, Seite 16 / Sport

Alles kein Problem

Fall Kareem Hunt: Die American-Football-Liga NFL schaut bei Gewalt gegen Frauen lieber weg

Von Rouven Ahl
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Frauen schlagen schadet nicht: Kareem Hunt wird seine Karriere fortsetzen können

Die American-Football-Liga der USA (NFL) wird erneut von einem Skandal erschüttert. Im Laufe des vergangenen Wochenendes wurde ein Video öffentlich, das Kareem Hunt, Star-Runningback der Kansas City Chiefs, zeigt, wie er nach einem Streit gegenüber einer Frau gewalttätig wird. Veröffentlicht wurde das Video von der Boulevard-Website TMZ.

Der Vorfall ereignete sich bereits im Februar in einem Hotel in Cleveland. Untersuchungen seitens der NFL sowie der Chiefs folgten damals zwar, blieben aber ohne Ergebnis. In einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten soll Hunt die Sache heruntergespielt haben. Er habe »daraus gelernt« und sei nun »voll auf Football fokussiert«. Chiefs-Eigentümer Clark Hunt ließ es dabei bewenden, bezeichnete seinen Spieler als »jungen Mann«, der seine Lektion »sicher gelernt hat«. Auch strafrechtlich wurde er nicht belangt. Nach dem Auftauchen des Videos blieb den Chiefs aber nun doch keine andere Wahl: Sie entließen ihren Superstar. Laut dem offiziellen Statement aber nicht, weil Hunt eine Frau getreten und geschlagen hat – sondern da er während der früheren Untersuchung des Vorfalls nicht ehrlich gegenüber seinem Team war.

Die NFL hatte nach eigenen Angaben versucht, schon früher an das Video zu kommen. Das Hotel weigerte sich jedoch angeblich, dieses auszuhändigen. Hat die NFL hier wirklich alles versucht, um den Vorfall restlos aufzuklären – oder waren die handelnden Ligavertreter einfach inkompetent?

Nach seiner Entlassung wird Hunt auch von der NFL gesperrt werden. Wie lange, ist noch offen. Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, steht Hunt auf der »Exempt List« der Liga, darf also weder an Spielen noch Trainingseinheiten teilnehmen. Er hat sich mittlerweile offiziell entschuldigt: »Ehrlich gesagt, möchte ich die Welt nur wissen lassen, wie leid mir das alles tut. Dieses Video ist mir extrem peinlich«, sagte er in einem Interview mit ESPN.

Hunts Karriere wird dennoch weitergehen, darüber sind sich die meisten Experten in den USA einig. Ein Spieler seines Kalibers wird einen neuen Klub finden – denn in gewalttätigem Verhalten sahen die NFL-Teams bislang kaum ein Problem. Colin Kaepernick, der die Sportlerproteste gegen rassistische Polizeigewalt initiierte, hat übrigens immer noch keine neue Mannschaft gefunden.


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