• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 01.12.2018, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Fenchel-Feta-Salat

Von Ina Bösecke

In Baz Luhrmanns »Romeo und Julia« (USA 1996) sind die Degen Pistolen und der Chor ist eine Fernsehsprecherin, denn wir haben es mit einer Übertragung in die Jetztzeit zu tun, die allerdings auch schon wieder mehr als zwanzig Jahre alt ist. Seit über vier Jahrhunderten wird Shakespeares Tragödie ununterbrochen aufgeführt. Man kann ihr immer wieder etwas abgewinnen. Verständnislose Eltern, unbedingte (andere sagen wahnsinnige) Liebe und abgrundtiefer Hass (»Die Pest auf eure beiden Häuser«) sind Themen, die Bestand haben. Während ein Sterben aus Liebe unter den Egomanen von heute kaum möglich ist, begegnet man Stänkertypen wie Tybalt geradezu tagtäglich im Straßenverkehr. Oder im Hausflur – je nachdem, wo man wohnt.

Während die Montagues und die Capulets, jene beiden Adelsfamilien, die sich im italienischen Verona des 14./15. Jahrhunderts in einer uralten, unversöhnlichen Blutfehde befinden, bei Shakespeare am Ende den Streit ein für alle Male beenden, wenn auch zu spät, denn ihre beiden Kinder sind tot, sieht man bei Luhrmann nur zerknirschte Gesichter. Bei Shakespeare will der eine Vater dem anderen noch ein goldenes Bildnis des Kindes anfertigen lassen. Luhrmann gestattet keine Gesten der Versöhnung. Dafür ist die Sprache weitestgehend originalgetreu. Schon deshalb lohnt es sich, den Film anzuschauen. Der blutjunge Leonardo DiCaprio als Romeo und die ebenfalls sehr junge Claire Danes machen ihre Sache fein. Toll auch Harold Perrineau Jr. als Mercutio, Miriam Margolyes als Amme und John Leguizamo als Tybalt.

Was macht man nun mit diesen Stänkertypen, die sich an Zwistigkeiten und Rachegelüsten ergötzen? Shakespeare zeigt die Konsequenzen. Der bayerische Liedermacher Hans Söllner erklärt die Ursachen (in seinem Lied »Genug«): »Seid ihr Helden oder tapfer / wenn ihr mordet oder sprengt / wenn ihr köpft und schlagt und foltert / Wesen, die ihr gar nicht kennt / Hattet ihr denn keine Mütter / keinen Schoß auf dem ihr sitzt / keine Worte, die euch trösten / wenn ihr euch beim Spiel verletzt.«

Wenn man die Geschichte der verfeindeten Adelsfamilien auf Nahrungsmittel überträgt, also miteinander verfeindete beziehungsweise auf den ersten Blick nicht zusammenpassende Geschmäcker miteinander versöhnt und verbindet, erhält man oft Köstliches. Zum Beispiel den wundervollen Fenchel-Feta-Salat mit Granatapfel und Petersilie: Granatapfelkerne aus einem halben Granatapfel auslösen. Das Grün von zwei Fenchelknollen abschneiden. Vom unteren Ende der Fenchelknollen jeweils eine dünne Scheibe abschneiden und wegwerfen. Die Knollen der Länge nach in dünne Scheiben hobeln oder in kleine Würfel schneiden. In einer Schüssel zwei EL Olivenöl mit dem Saft einer halben Zitrone oder einer halben Orange und zwei EL grob gehackte glatte Petersilie sowie Salz und Pfeffer verrühren. Den Fenchel hinzufügen und alles sorgfältig vermischen. Auf Tellern zuerst den Fenchel, dann 70 g zerkrümelten griechischen Feta und die Granatapfelkerne schichten. Mit Fenchelgrün garnieren. Mit knusprigen Baguettescheiben servieren.


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