Aus: Ausgabe vom 01.12.2018, Seite 8 / Ansichten

Sherlock des Tages: Gunnar Schupelius

Von Willi Effenberger
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Gewisse Utensilien gehören dazu, wenn man Mieteraktivisten auf der Spur ist

Mit scharfsinniger Analyse widmet sich Berlins gewieftester Boulevarddetektiv und B. Z.-Kolumnist, Gunnar Schupelius, der Kampagne »Deutsche Wohnen enteignen«. Da setzt er sich den Sherlock-Holmes-Hut auf, steckt die Pfeife an und beginnt, Ermittlungsergebnisse zur Frage »Wer steckt hinter der Kampagne gegen die Deutsche Wohnen?« darzulegen. Die Antwort scheint ihm sehr kompliziert. Einzelaktivisten, »Politiker der Linken, der Grünen und der SPD« wollen das Schreckgespenst aller Mieter aus dem Rennen um Berlins Immobilien nehmen. Doch »die Architektin«, die eigentliche Drahtzieherin, die Topenteignerin, die hinter allem steckt, so wird der geneigte Leser eingeweiht, ist die »Interventionistische Linke«.

Für diese bahnbrechende Erkenntnis musste Schupelius tief in dunkle Onlinewelten abtauchen. Auf der kampagneneigenen Website stieß er dann auf das Beziehungsgeflecht. Warum die »IL« die Deutsche Wohnen überhaupt enteignen will, weiß Schupelius natürlich auch: Die »Linkextremisten« wissen aus eigener Erfahrung, »dass sie mit (…) dem Anzünden von Autos keine Freunde gewinnen. Die suchen sie sich jetzt bei den Mietern.« Trotz dieses Sinneswandels sei der IL selbstredend nicht zu trauen. Sie bekämpfe »in Wirklichkeit« die Demokratie und will die »sozialistische Stadt«, schnaubt Schupelius.

Gänzlich verwerfen will er das Mietenthema dann doch nicht. Über Wohnungen in öffentlicher Hand könne man reden, aber nicht mit Linksextremisten, und »Enteignung« darf das Ganze auch nicht heißen. »Enteignet wurden im NS-Staat die Juden und in der DDR die Bauern und Handwerker.« Schupelius’ scharfer Auffassung entgeht nur eine Kleinigkeit: Enteignung ist das Kerngeschäft der kapitalistischen Warenproduktion. Naja, auch der Schlaueste macht mal einen Fehler.


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